Konjunkturprognosen
EZB-Chefvolkswirt warnt vor Pessimismus

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet verordnet der Eurozone ein Optimismus-Programm: Pessimistische Prognosen könnten das Wachstum hemmen, warnt der Belgier. Beim Anleihekaufprogramm zeigt er sich jedoch selbst als Pessimist.

MannheimEZB-Chefvolkswirt Peter Praet warnt vor um sich greifendem Konjunkturpessimismus in der Euro-Zone. Aus solch einer Erwartungshaltung sei nur schwer herauszukommen, sagte der oberste Ökonom der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag auf einer Konferenz in Mannheim laut Redetext. „Das hält eine stärkere Erholung zurück, da die Unsicherheit über die Zukunft zu schwachen Investitionen in der Gegenwart führen kann“, sagte Praet. Die EZB könne zwar mit ihrer Geldpolitik für eine Stabilisierung sorgen. Es seien aber weitere Strukturreformen nötig, um noch kräftigeres Wachstum im Währungsraum zu erreichen.

Viele Länder seien mit enttäuschten Konjunkturerwartungen konfrontiert – obgleich die wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum immer mehr Fuß fasse, sagte Praet. Für den gesamten Währungsraum hätten Experten seit 2001 ihre Prognosen für das Wachstum nach fünf Jahren kontinuierlich nach unten gesetzt. Sie lägen nun bei 1,4 Prozent nach 2,7 Prozent im Jahre 2001. Die EZB sorgt sich derzeit vor allem um die möglichen Auswirkungen einer deutlichen Abkühlung der Wirtschaft in den Schwellenländern, wie aus den Protokollen ihrer Ratssitzung von Anfang September hervorgeht.

Wegen der Konjunkturabschwächung in China hatte der Internationale Währungsfonds in seinem jüngsten Konjunkturausblick seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft gesenkt. Der IWF erwartet nun 2015 ein Plus von 3,1 Prozent – noch im Juli hatte der Fonds das globale Wachstum auf 3,3 Prozent veranschlagt. Wie Praet warnte auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann am Donnerstag vor konjunktureller Schwarzmalerei. Die Verlangsamung der wirtschaftlichen Dynamik in China sei auch Ausdruck einer Normalisierung, sagte er der Zeitung „Die Welt“ laut Vorabbericht.

EZB-Chefvolkswirt Praet rechtfertigte zudem das über eine Billion Euro schwere Anleihenkaufprogramm der EZB, mit dem die Konjunktur gestützt und die Inflation nach oben getrieben werden soll. Dies sei als „notwendige Reaktion“ auf ein schwaches und zersplittertes Wirtschaftsumfeld zu verstehen. Zwar gelte für die EZB, die Nachfrage solange zu unterstützen wie notwendig. Damit werde aber nur Zeit gekauft. Praet forderte die Politik auf, mit weiteren Strukturreformen dafür zu sorgen, dass vor allem die Produktivität im Euro-Raum steigt. „Denn das ist das, was letztendlich das langfristige Wachstum antreibt,“ sagte er.

Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, die EZB könne möglicherweise ihr Anleihekauf-Programm ausweiten. Denn die Preise im Euro-Raum waren kürzlich sogar leicht gesunken und liegen damit meilenweit von der EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent entfernt. Führende deutsche Wirtschaftsinstitute raten der EZB aber von einer solchen Ausweitung der Geldspritzen ab. Nach ihrer Ansicht besteht dazu kein Anlass. Mit ihrem am Donnerstag veröffentlichten Gutachten liegen sie auf einer Linie mit Weidmann. Er glaube nicht, dass damit das Wachstum in Europa dauerhaft gestärkt würde, sagte der Bundesbank-Chef der „Welt“.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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