Konjunktur
Starke EU-Nachfrage treibt deutsche Exporte an

Die deutsche Exportwirtschaft kann trotz der Griechenland-Krise auf Europa zählen. Vor allem die starke Nachfrage aus Polen und Großbritannien lässt die Exportzahlen ansteigen. Ökonomen hatten damit nicht gerechnet.
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BerlinDie deutschen Exporteure trotzen der Griechenland-Krise und der Flaute großer Schwellenländer. Sie steigerten im Mai ihre Ausfuhren den vierten Monat in Folge – vor allem dank der stärkeren Nachfrage aus Europa. Die Exporte zogen um 1,7 Prozent zum Vormonat an, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Der bislang stärkste Zuwachs in diesem Jahr kommt überraschend, denn Ökonomen hatten einen Rückgang von 0,8 Prozent erwartet. „Getragen wird diese Entwicklung maßgeblich von der angezogenen Nachfrage in Frankreich, Italien und Spanien“ sagte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner. „Nach einer langen Durststrecke stimmt uns dies auch optimistisch für das nächste halbe Jahr.“

Insgesamt verkauften die Unternehmen Waren im Wert von 95,9 Milliarden Euro ins Ausland, 4,6 Prozent mehr als im Mai 2014. Die Exporte in die EU legten um 6,2 Prozent zu, die in die Euro-Zone trotz der Griechenland-Krise um 5,1 Prozent. Die Geschäfte mit den nicht zur Währungsunion gehörenden EU-Ländern – wozu beispielsweise Großbritannien und Polen gehören – zogen sogar um 8,2 Prozent an. „Die Konjunkturbelebung im Euro-Raum stützt die deutschen Ausfuhren“, sagte BayernLB-Ökonom Stefan Kipar. So steigerte der Autobauer Volkswagen im Juni seinen Absatz im benachbarten Frankreich um fast ein Viertel.

Die Exporte außerhalb der EU nahmen dagegen nur um unterdurchschnittliche 2,3 Prozent zu. Ein Grund dafür ist die Schwäche großer Schwellenländer. China etwa erwartet 2015 das geringste Wachstum seit einem Vierteljahrhundert und wird derzeit von einem Börsencrash erschüttert. Russland steckt sogar in einer Rezession, Brasilien steht kurz davor. Dass dennoch ein Wachstum nach Übersee herauskam, liegt auch am schwachen Euro, der deutsche Waren in anderen Währungsräumen preislich attraktiver macht. „Produkte 'Made in Germany' sind nach wie vor sehr gefragt“, sagte Ökonom Thomas Amend vom Bankhaus HSBC Trinkaus.

Griechenland bleibt Risiko
Die Exportdaten signalisieren ein beschleunigtes Wachstum der deutschen Wirtschaft im zurückliegenden zweiten Quartal. „Wir rechnen mit einem Plus von 0,5 Prozent – zumal auch der Konsum gut läuft“, sagte Amend. Zu Jahresbeginn hatte es nur zu einem Wachstum von 0,3 Prozent gereicht. Allerdings bleibt ein Risiko. „Wir wissen nicht, ob die Griechenland-Krise im Juni die Konjunktur beeinträchtigt hat“, betonte ING-Volkswirt Carsten Brzeski. Der Schuldenstreit hatte sich vorigen Monat zugespitzt und ist noch immer nicht gelöst. Damit droht ein Euro-Abschied Griechenlands, der die gesamte Währungsunion erschüttern könnte. Das Ifo-Geschäftsklima – der wichtigste deutsche Frühindikator – trübte sich wegen der Hellas-Krise zuletzt ein.

Die Importe erhöhten sich im Mai um 0,4 Prozent zum Vormonat, nachdem sie im April noch gesunken waren. Ökonomen hatten einen abermaligen Rückgang erwartet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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