Konjunktur
Der Aufschwung hängt am seidenen Faden

Neue Hiobsbotschaft für die Euro-Retter: Wegen dem Schuldendrama schwächt sich die Konjunktur immer mehr ab. Die Deutsche Wirtschaft wächst aber noch - bis auf Weiteres.
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BerlinFür die deutsche Wirtschaft beginnt das zweite Halbjahr mit einem empfindlichen Rückschlag: Die Industrie wuchs so langsam wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr, und die Dienstleister verzeichneten den geringsten Zuwachs seit fast eineinhalb Jahren.

„Dem deutschen Aufschwung geht so langsam die Puste aus“ - er hänge „am seidenen Faden“, sagte Markit-Ökonom Tom Moore am Donnerstag zu der Umfrage seines Instituts unter knapp 1000 Unternehmen. Gründe seien eine geringere Nachfrage nach Waren „Made in Germany“ bei wichtigen Handelspartnern wie den Euro-Ländern, China und den USA sowie eine schlechtere Stimmung wegen der Schuldenkrise.

Trotz der Wachstumsverlangsamung wollen sowohl die Dienstleister als auch die Industrie aber neue Mitarbeiter einstellen. Der Zuwachs fiel erneut überdurchschnittlich stark aus.  Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel überraschend auf 52,1 von 54,6 Punkte. Das ist der niedrigste Stand seit Oktober 2009.

Das Barometer hielt sich aber noch über der Marke von 50 Zähler, ab der Wachstum signalisiert wird. „Die Industrie hat es besonders hart getroffen“, sagte Moore. „Der Rückgang beim Neugeschäft sorgte dafür, dass die Produktion nahezu zum Stillstand gekommen ist.“

Erstmals seit mehr als zwei Jahren erhielten die Unternehmen weniger Aufträge als im Vormonat. Besonders aus dem Ausland blieben viele Bestellungen aus. Ursache ist die nachlassende Weltkonjunktur. Chinas Industrie schrumpfte im Juli zum ersten Mal seit einem Jahr - auch weil die Notenbank im Kampf gegen die Inflation ihre Zinsen mehrfach angehoben und Geld aus dem Wirtschaftskreislauf gezogen hat.

Auch im Euro-Raum läuft es alles andere als rund: Das Wachstum der Privatwirtschaft ist nahezu zum Erliegen gekommen. „Die Finanzkrise außen vor, war der Juli der schlechteste Monat seit dem Irak-Krieg 2003“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft der Währungsunion fiel auf 50,8 von 53,3 Punkten. Das ist der niedrigste Stand seit fast zwei Jahren.

Auch aus der weltgrößten Volkswirtschaft USA kamen zuletzt vor allem enttäuschende Konjunkturdaten. Auch die vorwiegend vom Binnenmarkt lebenden deutschen Dienstleister mussten Federn lassen. Der Einkaufsmanagerindex für den Service-Sektor fiel auf 52,9 von 56,7 Punkten.

„Auch hier gab die Wachstumsrate auf den niedrigsten Wert seit 17 Monaten nach“, sagte Moore. Die Chancen für eine rasche Besserung stehen nicht gut: Die Service-Unternehmen beurteilten die Aussichten so schlecht wie seit November 2009 nicht mehr.    

Experten rechnen trotz der schlechten Zahlen nicht mit einem raschen Ende des Aufschwungs. „Die Auftragslage der deutschen Unternehmen ist nach wie vor auf einem hohen Niveau“, sagte Jana Meier von HSBC Trinkaus. „Die Unternehmen stellen weiter ein, die Auftragsbestände sind noch sehr hoch“, sagte auch UniCredit-Ökonom Alexander Koch.

"Aber mit der schwächeren Weltwirtschaft nehmen auch die Abwärtsrisiken zu.“ Für das zweite Quartal sagen die von Reuters befragten 20 Analysten ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent voraus. Zu Jahresbeginn war es noch dreimal so stark ausgefallen, weil die Bauwirtschaft die am Jahresende wegen Schnee und Frost liegengebliebenen Arbeiten rascher als erwarten aufholen konnte. Bis Ende 2012 rechnen die Experten mit einem Quartalswachstum, das zwischen 0,4 und 0,6 Prozent schwankt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Konjunktur : Der Aufschwung hängt am seidenen Faden"

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  • das ist der beginn des abschwungs für deutschland, der in den kommenden Monaten an fahrt gewinnen wird. deutschland wird nun einbüßen und kann aus der weltweiten Schuldenmacherei keinen vorteil mehr ziehen. Im gegenteil: das blatt wendet sich nun, und die jubelarien werden für lange zeit verstummen.Der vorteil von gestern wird zum nachteil für morgen, so einfach ist das. Da gibts dann die quittung für die grundfalsche Export-um-jeden-Preis-Politik, und das ist gut so.

  • In Fernost:
    China bremst mit sanfter Gewalt das Wachstum und versucht damit ein softlanding

    In Übersee:
    Den USA steht das Wasser Oberkante Unterlippe. Der Konsum und die Investitionen sind rückläufig.

    In Europa:
    Griechenland spart erzwungenerweise
    Portugal spart erzwungenerweise
    Irland spart erzwungenerweise
    Spanien spart noch freiwillig um dem Zwang zu entgehen
    Italien spart noch freiwillig um dem Zwang zu entgehen

    Woher sollen also die Impulse für die Wirtschaft eines stark exportabhängigen Landes wie Deutschland herkommen? Binnenkonsum haben wir ja dank unserer supertollen Wettbewerbsfähigkeit (= niedrige Lohnkosten) und anziehender Inflation nicht zu erwarten.

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