Konjunktur
Der Augenschein schlägt die Prognose

Viele Unternehmer sehen die optimistischen Konjunktureinschätzungen der Ökonomen mit Skepsis. Stattdessen vertrauen sie lieber dem Blick in die eigenen Bücher und dem Besuch bei ihren Kunden. Aber auch hier weisen die Zeichen der Zeit auf eine Wende zum Guten hin.
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FRANKFURT. Aloysius Rauen hat seine Zuversicht zurückgewonnen. Für den Kranbauer Demag Cranes, an dessen Spitze Rauen steht, ist die Krise zwar noch längst nicht vorbei. Aber immerhin, es gibt wieder Hoffnungsschimmer.

Einer davon kommt aus Südafrika. Dort besuchte Rauen vor kurzem einen Stahlhändler. Auf dem Gelände des langjährigen Kunden standen mehr als hundert Demag-Krane. „Wie ich mich im persönlichen Gespräch überzeugen konnte, zieht bei dem das Geschäft wieder an“, erzählte der Chef des Düsseldorfer Maschinenbauers dem Handelsblatt. Der Stahlhändler befasse sich wie auch andere Unternehmen wieder mit Investitionen.

Um solche Konjunktureinschätzungen aus erster Hand zu bekommen, macht sich Rauen regelmäßig auf den Weg zu seinen Kunden. „Gerade in solchen Gegenden ist der persönliche Austausch unersetzlich, um zu erfahren wie die reale Nachfrage ist“, sagt er.

Die Dynamik der Schwellenländer schwappt nach Europa über

Die Konjunkturdaten bestätigen, dass die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ jetzt wieder deutlich größer ist als zu Beginn des Krisenjahres 2009. Im Oktober riss die Reihe der Monate mit steigenden Auftragseingängen und Produktionszuwächsen zwar ab, Volkswirte ließen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. Aus Sicht der Makroökonomen stehen die Zeichen weiterhin klar auf Erholung.

„Die Industrieländer hinken hinterher – aber die Schwellenländer treiben mehr denn je das weltweite Wirtschaftswachstum“, sagt der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Joachim Scheide. Die Konjunkturpakete hätten den Anstoß für das Wiedererstarken gegeben, ergänzt Goldman- Sachs-Ökonom Dirk Schumacher. „Inzwischen haben die Schwellenländer aber eine selbsttragende Dynamik entwickelt“, meint er. Nachdem die BRIC-Staaten – Brasilien, Russland, Indien und China – im laufenden Jahr um fünf Prozent zulegten, dürfte die Wachstumsrate im kommenden Jahr mit 9,2 Prozent bereits wieder doppelt so hoch liegen, schätzt die Investmentbank.



Vor allem China trauen die Ökonomen viel zu. Allerdings, relativiert IfW-Ökonom Scheide, könne das den Einbruch der USA und Europas nicht wettmachen. Schließlich tragen die USA als weltgrößte Volkswirtschaft 20 Prozent zum globalen Bruttoinlandsprodukt bei. China liegt mit einem Anteil von zwölf Prozent noch weit zurück. Um sich ein noch besseres Bild von dieser globalen Entwicklung machen und den Bedarf seiner Kunden möglichst genau einschätzen zu können, verbringt Vorstandschef Rauen viel Zeit im Flugzeug.

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