Konjunktur
Der US-Euphorie droht die Abkühlung

Noch stehen alle Zeichen auf Wachstum. Doch den überraschend starken US-Konjunkturdaten droht eine empfindliche Abkühlung. Führende Ökonomen in Deutschland warnen daher, aus dem US-BIP-Sprung falsche Schlüsse für die Entwicklung der Weltwirtschaft zu ziehen.
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DÜSSELDORF. "Man sollte das sich für das zweite Halbjahr abzeichnende ordentliche Wachstum nicht einfach in die Zukunft fortschreiben“, sagte Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, am Donnerstag im Gespräch mit Handelsblatt.com. Irgendwann würden die Unternehmen ihre Lagerbestände aufgefüllt haben. Dann werde sich das Wachstum wieder „abkühlen“, erklärte Krämer. „Schließlich haben die US-Konsumenten erst begonnen, ihre Schulden abzubauen."

Auch der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, erklärte, im kommenden Jahr sei in den USA aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit, der Verschuldung vieler Haushalte und der weiterhin nicht voll funktionsfähigen Finanzmärkte nur mit „mäßigem Wachstum“ zu rechnen. „Daher geht von den heutigen Zahlen auch kein unerwarteter Impuls aus, sie bestätigen jedoch, dass sich die Weltwirtschaft auf einem, wenn auch zögerlichen, Erholungspfad befindet“, sagte Carstensen Handelsblatt.com.

Zuvor hatte das US-Handelsministeriums Daten veröffentlicht, denen zufolge die US-Wirtschaft erstmals seit einem Jahr wieder gewachsen sei und sich damit aus der Rezession gelöst habe. Privater Konsum, Wohnimmobilienmarkt und Exportwirtschaft heizten die Wirtschaftsleistung im Sommer demnach an. Die Wirtschaftsleistung der USA legte den Daten zufolge zwischen Juli und September aufs Jahr hochgerechnet um 3,5 Prozent zu, nachdem sie im Frühjahr noch um 0,7 Prozent abgenommen hatte. Das ist mehr als von Experten bislang erwarten und das stärkste Wachstum seit zwei Jahren.

US-Präsident Barack Obama wertete dies als „Bestätigung, dass die Rezession abebbt“. Es sei aber immer noch ein weiter Weg, bis die US-Wirtschaft wieder zu alter Kraft gefunden habe, mahnte er. Analysten sehen in den Zahlen Anzeichen dafür, dass die milliardenschweren Konjunkturprogramme der Regierung wirken. „Wenn wir Billionen in die Wirtschaft gesteckt hätten und nun ein Minus bekommen hätten, wäre das ein furchtbares Signal für den Markt gewesen“, sagte Dan Cook, Analyst bei IG Markets in Chicago.

Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, wertet die US-Daten als „großen Erfolg“ für die amerikanische Regierung. „Sie zeigen, dass gesamtwirtschaftliche Konjunkturprogramme wirken“, sagte Horn Handelsblatt.com. Dies sei im Übrigen „eine knallharte Widerlegung“ jener Ökonomen, insbesondere in Deutschland, die die Wirksamkeit von Konjunkturprogrammen immer noch in Frage stellten. „Sie sollten spätestens von nun an schweigen und lernen.“

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