Konjunktur
Deutsche Exporte legen zu – noch

Die deutschen Exporte sind trotz des weltweiten Abschwungs im Oktober unerwartet gut gelaufen. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind nach Einschätzung von Analysten allerdings mit Vorsicht zu genießen. Der Weg sei vielmehr vorgezeichnet, denn der Außenhandel werde deutlich an Fahrt verlieren. Die deutsche Industrie gerät dagegen immer tiefer in den Abwärtsstrudel.

HB BERLIN. Der Umsatz legte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,4 Prozent auf 89,7 Mrd. Euro zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Im Vergleich zum Vormonat gab es kalender- und saisonbereinigt ein Minus von 0,5 Prozent. Die von Reuters befragten Volkswirte hatten hier einen fast doppelt so starken Rückgang von 0,9 Prozent erwartet. Sie sagten in ersten Reaktionen:

Analysten rieten, die Exportzahlen nicht überzubewerten. Der Überschuss in der Handelsbilanz sei zwar gestiegen. "Das ist allerdings auf die stark rückläufigen Importe zurückzuführen", sagte Thorsten Polleit von Barclays Capital. "Der Außenhandel wird deutlich an Fahrt verlieren und im vierten Quartal als Konjunkturstütze wegfallen." Nach Polleits Überzeugung steht die deutsche Wirtschaft erst am Anfang der Krise. Die Weltwirtschaft stehe vor tiefgreifenden Veränderungen in der Produktionsstruktur. "Das wird seine volle Brisanz erst noch entfalten. Das trifft Deutschland als Exportland besonders.“

Ähnlich äußerte sich Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim: „Die Daten sind vor dem Hintergrund der zurückgehenden Auftragseingänge noch relativ moderat", sagte sie. Aber der Weg sei vorgezeichnet. "Wir rechnen mit einem kräftigen Einbruch bei den Exporten", erläuterte die Analystin. Die Investitionsgüterhersteller, die lange vom globalen Boom profitiert hätten, "werden es knüppeldick zu spüren bekommen", ist sich Kastens sicher. Viele Handelspartner in Europa steckten bereits mitten in der Rezession. Daher könne man vom Export in den nächsten Monaten nichts erwarten. "Nächstes Jahr rechnen wir mit einem Exportrückgang von gut drei Prozent", sagte sie und fügte hinzu: "Das ist aber kein Wettbewerbsproblem, sondern eine ausgeprägte Nachfrageschwäche.“

Die deutsche Industrie gerät dagegen immer tiefer in den Abwärtsstrudel und fuhr im Oktober das größte Umsatzminus seit fünf Jahren ein. Die Erlöse in dem wichtigen Wirtschaftszweig sanken bereinigt um Arbeitstageeffekte und Preissteigerungen um 3,3 Prozent zum Oktober 2007, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Dabei ging das Inlandsgeschäft um 2,2 Prozent zurück, der Auslandsumsatz um 4,5 Prozent. Die deutsche Industrie, die mehrere Jahre vom Investitionsgüterboom profitiert hat, leidet unter der weltweiten Nachfrageschwäche. Wichtige Handelspartner in Europa und die USA stecken mitten in der Rezession. Die Auftragseinbrüche schlagen zunehmend auf den Umsatz durch.

Im Vergleich zum Vormonat setzten die Firmen saisonbereinigt 0,1 Prozent weniger um. Hier hatte es im September sogar einen Rückgang von 4,2 Prozent gegeben; es war das größte Minus seit Beginn der gesamtdeutschen Statistik 1991.

Besonders heftig trifft es die Autobauer und ihre Zulieferer. Sie setzten 8,8 Prozent weniger um als vor Jahresfrist. Viele Konzerne haben bereits Kurzarbeit angekündigt und fahren ihre Produktion deutlich zurück. Die Maschinenbauer konnten ihren Umsatz im Vergleich zum Oktober 2007 immerhin halten, wie es hieß. Dank des vergleichsweise guten ersten Halbjahres liegen die Umsätze des gesamten Verarbeitenden Gewerbes von Januar bis Oktober 1,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

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