Konjunktur
Deutsche Exportwirtschaft verpasst Trendwende

Die deutschen Exporte sind im Mai leicht gestiegen. Doch wie stark der Exportweltmeister immer noch unter der globalen Rezession leidet, zeigt der Vergleich mit dem Vorjahresergebnis. Und das sieht nicht gut aus. Experten sehen daher noch keine Trendwende.

HB BERLIN. Die Unternehmen verkauften 0,3 Prozent mehr ins Ausland als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten allerdings mit einem fünfmal so starken Umsatzplus von 1,5 Prozent gerechnet, nachdem die exportabhängige Industrie zuvor drei Monate in Folge ein Auftragswachstum verzeichnet hatte. Im April waren die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt noch um fünf Prozent eingebrochen.

Wie stark der Exportweltmeister immer noch unter der globalen Rezession leidet, zeigt der Vergleich mit dem Vorjahresergebnis. Insgesamt wurden Waren im Wert von 60,7 Mrd. Euro exportiert - das waren 24,5 Prozent weniger als im Mai 2008. Von Januar bis Mai setzten die Unternehmen 23,3 Prozent weniger um.

Wegen der weltweiten Nachfrageflaute rechnet der Exportverband BGA für 2009 mit einem Umsatzrückgang von etwa 18 Prozent. Es wäre das erste Minus seit 1993 und das größte seit Bestehen der Bundesrepublik. Für 2010 erwartet BGA-Präsident Anton Börner wieder ein Wachstum von fünf bis zehn Prozent.

Die Einfuhren gingen im Mai um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat zurück. Insgesamt wurden Waren im Wert von 52,7 Mrd. Euro importiert. Das waren 22,7 Prozent weniger als im März 2008.

Ökonomen geben für die deutsche Exportwirtschaft angesichts der neuen Zahlen noch keine Entwarnung. „Von einer Trendwende kann nicht gesprochen werden", sagte Thorsten Polleit von Barclays Capital. Der freie Fall scheine aber gestoppt zu sein, fügte der Experte hinzu. "Es spricht vieles dafür, dass der Außenhandel im zweiten Quartal die Wirtschaft wieder angeschoben hat."

Jörg Lüschow von der WestLB erklärt, die Zahlen spiegelten nicht ganz das wider, "was wir bei den Auslandsbestellungen gesehen haben". Insofern bestehe die Aussicht, dass sich die Exportnachfrage in den kommenden Monaten erholen werde, wenngleich nicht so stark wie in den vergangenen Jahren. "Es zeichnet sich ab, dass der Außenbeitrag im zweiten Quartal nicht mehr dämpfen wird - das war zum Jahresende 2008 und im ersten Quartal noch anders", sagte Lüschow und fügte hinzu: "Wir können sogar mit einem leicht positiven Effekt rechnen." Selbst wenn das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal noch einmal schrumpfen sollte, werde das Minus klein ausfallen.

Seite 1:

Deutsche Exportwirtschaft verpasst Trendwende

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%