Konjunktur
Deutsche Exportzahlen rasen in den Keller

Nach Jahren des Booms geht der deutschen Wirtschaft nun die Puste aus. Die Aussichten für den Exportweltmeister trüben sich in der globalen Krise drastisch ein. Der Außenhandelsverband BGA erwartet für das laufende Jahr das stärkste Minus seit Gründung der Bundesrepublik vor 60 Jahren.

HB BERLIN. In Folge der weltweiten Wirtschaftskrise muss sich Deutschland in diesem Jahr auf einen drastischen Einbruch der Exporte einstellen. Der Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) rechnet für 2009 mit einem Rückgang um bis zu 15 Prozent. Dies werde auf die gesamte deutsche Wirtschaftsleistung durchschlagen, erklärte der Verband am Dienstag in Berlin. Im Januar waren die Exporte gegenüber dem Vorjahresmonat um 20,7 Prozent weggebrochen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das stark vom Außenhandel abhängt, werde in diesem Jahr voraussichtlich um 3,5 bis 4,0 Prozent sinken. Damit ist der BGA weniger pessimistisch als andere Ökonomen, die ein stärkeres Minus erwarten.

"Dennoch hat Deutschland gute Chancen, den Titel des Exportweltmeisters weiter zu verteidigen, da die chinesischen - wie auch die japanischen - Exporte ebenfalls stark eingebrochen sind und unten bleiben", sagte BGA-Präsident Anton Börner. Im vergangenen Jahr war Deutschland zum sechsten Mal in Folge Exportweltmeister geworden. 2008 war nach 2007 das zweiterfolgreichste Jahr für den deutschen Außenhandel seit Bestehen der Bundesrepublik. Die Warenexporte waren um 3,1 Prozent auf knapp unter 1 Billion Euro geklettert, die Dienstleistungsausfuhren auf 161 Mrd. Euro.

"Man könnte sagen, Deutschland war Gewinner im Aufschwung und ist nun Verlierer im Abschwung", sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. Der Boom kommt als Bumerang zurück. Vorzeigeindustrien im Export wie Autohersteller, Maschinenbauer und Chemieproduzenten ächzen unter der globalen Rezession. Der Einbruch Ende 2008 bedeutet einen düsteren Vorgeschmack auf das laufende Jahr. Besserung dürfte erst ein Anziehen der weltweiten Konjunktur bringen. Dies ist aber nicht in Sicht: Die Welthandelsorganisation WTO schätzt den Einbruch im Welthandel auf neun Prozent. Das wäre - wie so vieles dieser Tage - ein Nachkriegsrekord.

Auch der Außenhandelsverband setzt auf ein Anspringen der Weltwirtschaft. Dazu müsse aber die Finanz- und Vertrauenskrise gelöst werden. Die Bankbilanzen müssten von den "giftigen" Wertpapieren bereinigt werden, forderte BGA-Präsident Börner. Er schlug ein Modell vor, das einer Kreditversicherung durch den Staat ähnelt. Anstelle einer möglichen "Bad Bank" ("schlechte Bank"), in die die faulen Wertpapiere der Banken zentral ausgelagert werden, sollte es eine "Good Insurance" ("Gute Versicherung") geben.

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