Konjunktur
Die Europäische Zentralbank und der Plan B

Europas Währungshüter nehmen die Leitzinsen immer mehr zurück, um die Kreditvergabe der Banken zu stützen. Doch irgendwann, wenn die Nulllinie erreicht ist, geht nichts mehr. Oder etwa doch? Der oberste Wirtschaftsweise in Deutschland geht davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) um Präsident Jean-Claude Trichet schon längst an einem Plan B arbeitet.

DÜSSELDORF. Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz, hat Erwartungen an eine neue Strategie der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Eindämmung der Wirtschafts- und Finanzkrise gedämpft. Er gehe zwar davon aus, dass die EZB bereits "intensiv an einem Plan B" arbeite, sagte Franz am Montag im Gespräch mit Handelsblatt.com. Im Gegensatz zu Großbritannien und den USA verfüge die EZB aber nicht über einen "klaren finanzpolitischen Gegenpart", mit dem ein solcher Plan B vermutlich koordiniert werden müsse. "Daher stellt es sich für die EZB im Vergleich zur Bank of England beziehungsweise zur Fed als ein schwierigeres Unterfangen dar, einen solchen Plan B zu entwerfen und durchzuführen", unterstrich der Wirtschaftsweise.

Franz, der auch Präsident des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist, sieht dennoch die Möglichkeit für die Notenbanker, Maßnahmen zu ergreifen, um den Kapitalfluss in der Euro-Zone sicherzustellen, unabhängig davon, ob der Leitzins als Politikinstrument möglicherweise bald wirkungslos wird. "Die Notwendigkeit für zusätzliche Maßnahmen hängt nicht zwangsläufig vom Erreichen einer Nullzinsgrenze ab", erläuterte der Ökonom. "Denn der Ankauf von Commercial Paper (kurzfristige Schuldverschreibungen von Unternehmen; d. Red.) beispielsweise ist ein Instrument, welches die EZB bereits vorher einsetzen könnte, wenn sie das für sinnvoll hält."

Die Notenbanken in den USA, England und Japan nutzen schon länger das Instrument, Commercial Papers aufzukaufen. Die US-Notenbank Fed gibt zudem direkt Kredite an Haushalte und kleine Firmen.

Die EZB vertraut noch auf das Mittel der Leitzinssenkung, allerdings gibt es auch Hinweise darauf, dass sie diesem Instrument nicht mehr ganz so viel Gewicht beimisst. Darauf deuten Äußerungen des EZB-Chefvolkswirts Jürgen Stark hin, der sich am Wochenende gegen weitere drastische Zinssenkungen ausgesprochen hatte. „Die Finanzkrise lässt sich nicht mit Zinssenkungen lösen“, räumte Stark im „Luxemburger Tageblatt“ unumwunden ein. „Ein zu niedriges Zinsniveau kann sich sogar als kontraproduktiv erweisen.“ Die EZB hatte den Leitzins am vergangenen Donnerstag auf das historische Tief von 1,5 Prozent gesenkt und eine weitere Rücknahme nicht ausgeschlossen.



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