Konjunktur
Die Last der Furcht

Deutschland rutscht in die Rezession. Die große Frage lautet: Wie lange dauert sie? Dorit Heß, Norbert Häring und Ulf Sommer haben Triebkräfte und Belastungsfaktoren der deutschen Wirtschaft abgewogen.

Leichte Hoffnung Der rapide Ölpreisverfall wirkt wie ein Konjunkturprogramm. Seit dem Rekordhoch im Sommer hat sich Rohöl um 70 Prozent verbilligt. Nimmt man den Durchschnittspreis der zwölf Monate bis Juli von 65 Euro je Barrel (159 Liter), dann entlastet ein Preisniveau von gegenwärtig 40 Dollar nach Berechnungen der Dekabank die Verbraucher um rund 20 Mrd. Euro. Angenommen, der Ölpreis pendelt sich auf Sicht der nächsten zwölf Monate auf 50 Dollar ein, beträgt die Entlastung noch 13 Mrd. Euro. Bei einem Durchschnittspreis von 30 Dollar steigt die Entlastung auf 28 Mrd. Euro. Spareffekte durch billigeres Gas, das an den Ölpreis gekoppelt ist, sind darin noch nicht eingerechnet.

Zudem ist der Außenwert des Euros beträchtlich gesunken. Damit steigt die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, die in der Gemeinschaftswährung abrechnen, erheblich. Dieser Entwicklung misst beispielsweise der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Michael Heise, so viel Bedeutung bei, dass er von einer Erholung im Laufe des kommenden Jahres ausgeht – und daher nur mit einer kurzen Rezession rechnet.

Das Konjunkturprogramm, das die Bundesregierung bislang beschlossen hat, soll vor allem Investitionen ankurbeln. Das stützt die Wirtschaft nachhaltig, aber verzögert: Bis Projekte vom Bund über die Länder an Kommunen weitergegeben, dort ausgeschrieben und letztlich umgesetzt werden, vergehen Monate. Alles deutet darauf hin, dass der Bund seine Konjunkturhilfen rasch aufstockt.

Die Finanzmärkte sind vorausschauend. Deshalb kann es genügen, wenn das Licht am Ende des Tunnels erkennbar ist, um ein Kursfeuerwerk auszulösen. Die Finanzmärkte befinden sich derzeit aufgrund des allgemeinen Pessimismus in einer sehr schlechten Verfassung. Die meisten Aktienindizes sind seit Jahresanfang um 50 bis 75 Prozent gefallen. Der Geldmarkt, wo sich Banken untereinander Kapital leihen, funktioniert nicht mehr. Sehr viel Geld wird in hochliquiden, sehr sicheren Anlagen geparkt und wartet darauf, wieder rentierlich angelegt zu werden. Setzt sich die Meinung durch, dass die Rettungspakete und Konjunkturprogramme wirken, kann es zu einem Kursfeuerwerk kommen. Da die Konjunkturkrise vom Finanzsektor ausging und sich noch nicht verfestigt hat, kann sie relativ schnell enden – falls die Probleme des Finanzsektors gelöst werden.

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