Konjunktur
Die Schweiz kriecht aus der Rezession

Die Schweizer Wirtschaft wächst wieder - allerdings nur schwach. Vor allem Investitionen und Exporte verbessern das Klima in den Betrieben- Ökonomen sind mit ihren Prognosen für das kommende Jahr allerdings vorsichtig. Sollte die Arbeitslosigkeit deutlich ansteigen, könnte die Schweizer Wirtschaft ausgebremst werden.
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ZÜRICH. Die Schweizer Wirtschaft ist im dritten Quartal aus der Rezession gekommen. Erstmals seit einem Jahr legte das Bruttoinlandsprodukt wieder zu – und zwar um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Gestützt wird die wirtschaftliche Erholung nicht nur von einem recht stabilen Konsum, sondern auch von wieder steigenden Investitionen und Exporten. Gestiegen ist auch der Einkaufsmanagerindex der Industrie. Das Klimabarometer kletterte von zuletzt 54 auf 56,9 Punkte.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in Bern gibt aber noch keine Entwarnung. Seco-Chefökonom Aymo Brunetti befürchtet, dass die Konsumstütze wackelig werden könnte, wenn die Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr weiter steigen sollte. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei vier Prozent, wird aber nach Prognosen von Ökonomen auf mehr als fünf Prozent steigen. So hoch war sie zuletzt vor zwölf Jahren.

Vorsichtig sind die Volkswirte deshalb auch mit ihren Wachstumsprognosen für 2010. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH in Zürich (KOF) rechnet praktisch mit einer Stagnation. Erst 2011 soll es mit einem Plus von 1,4 Prozent wieder stärker aufwärts gehen.

Mit einer Exportquote von fast 50 Prozent ist die Schweiz besonders stark von der Erholung der Weltwirtschaft abhängig. Fast zwei Drittel aller Schweizer Ausfuhren gehen in die europäischen Nachbarländer. Dass die Wirtschaftskrise in der Alpenrepublik dennoch weniger dramatisch als in anderen Ländern ausgefallen ist, haben die Schweizer auch ihrer gesunden Wirtschaftsstruktur zu verdanken. Neben kleinen und mittelständischen Betrieben, die vor allem auf lokale Märkte ausgerichtet sind, sorgen international tätige Konzerne für Stabilität. Großunternehmen wie der Lebensmittelriese Nestlé oder die Pharmakonzerne Roche und Novartis sind weniger konjunkturanfällig als sensible Industriebranchen.

Da die Schweiz von einer Immobilienblase verschont wurde, mussten die Eidgenossen auch ihren Konsum nicht so einschränken. Zwischen Juli und September stieg der private Verbrauch um 0,6 Prozent. Eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Die Volkswirte der Großbank UBS rechnen für das Gesamtjahr mit einem Plus von rund einem Prozent. Angezogen haben erstmals seit fünf Quartalen die Investitionen. Mit einem Zuwachs von 5,5 Prozent trugen vor allem die Ausgaben für neue Ausrüstungen zum Wachstum von insgesamt 3,4 Prozent bei. Die Bauinvestitionen nahmen um 0,7 Prozent zu.

Die größten Hoffnungen für einen Aufschwung setzten die Eidgenossen jedoch auf ihre Exportwirtschaft. Die Ausfuhren stiegen im dritten Quartal um 2,6 Prozent, nachdem sie zuvor noch um mehr als zwei Prozent gesunken waren. Hilfe erhalten die Exporteure von der Schweizerischen Nationalbank. Die Notenbank sorgt mit Devisenmarktinterventionen dafür, dass der Schweizer Franken gegenüber dem Euro nicht zu stark wird. So verhindert sie, dass sich Schweizer Produkte auf Europas Absatzmärkten allzu sehr verteuern.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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