Konjunktur
DIW: Deutsche Wirtschaft trotzt Finanzkrise

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet damit, dass sich der Aufschwung in Deutschland weiter fortsetzt - und präsentiert sich damit wesentlich weniger pessimistisch als so manch anderer.

HB BERLIN. Trotz der weltweiten Finanzkrise entwickelt sich die deutsche Wirtschaft aus Expertensicht weiterhin robust. „Wir stimmen nicht mit dem um sich greifenden Konjunkturpessimismus überein und haben für Deutschland immer noch eine Fortsetzung des Aufschwungs auf der Rechnung“, sagte der neue Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Christian Dreger.

Für dieses Jahr erwarten die Forscher ein Wachstum von 2,0 Prozent und senkten damit eine im Januar berechnete Prognose von 2,1 Prozent nur leicht ab. Auch die privaten Banken sehen trotz einer Abschwächung der Weltwirtschaft „keinen Anlass zur Schwarzmalerei“ in Deutschland. Sie erwarten für 2008 unverändert 1,6 Prozent Wachstum.

„Die gute Industriekonjunktur wird durch die langsamer wachsende Weltwirtschaft und die Euro-Aufwertung zwar gebremst, aber nicht aus der Bahn geworfen“, teilte der Bundesverband deutscher Banken am Mittwoch anlässlich seines April-Konjunkturbericht mit. Deutsche Firmen seien deutlich wettbewerbsfähiger geworden, die Auftragslage sei weiterhin günstig.

Auch das DIW verwies darauf, dass die deutsche Wirtschaft trotz der Turbulenzen im Finanzsektor auf einem soliden Fundament stehe. Ein abrupter Einbruch der Exportkonjunktur in Deutschland sei nicht zu erkennen, auch wenn sich die Wachstumsaussichten in den USA deutlich reduzierten. Der Aufschwung in Deutschland werde vor allem von einer Erholung des privaten Konsums getragen, der zusehends in Schwung komme. Die Entwicklung werde aber noch von Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln gebremst. Als Inflationsrate erwarten die Berliner Forscher in diesem Jahr 2,6 Prozent, im nächsten Jahr 1,8 Prozent.

Die Bundesregierung solle daher auf Konjunkturprogramme verzichten und weiter die Staatsfinanzen sanieren, sagte DIW-Experte Dreger. Für 2009 erwartet das Institut nun 1,6 Prozent Wachstum nach bisher prognostizierten 1,7 Prozent.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte hingegen seine Wachstumsprognose für Deutschland für das laufende Jahr deutlich nach unten geschraubt. Das bestätigten gestern Regierungskreise dem Handelsblatt. Der Fonds habe demnach seine Prognose von 1,5 auf 1,2 Prozent gesenkt, wie aus Vorbereitungsunterlagen für die IWF-Frühjahrstagung in der kommenden Woche hervorgehe.

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