Konjunktur
DIW-Prognose: „Tageslicht sieht anders aus“

Nach den positiven Konjunkturdaten der vergangenen Wochen erwartet jetzt auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin für das dritte Quartal ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum. Eine generelle Entwarnung wollen die Berliner Forscher aber nicht geben. Auch Kanzlerin Merkel warnte davor, die Wirtschaftskrise als beendet anzusehen.
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HB BERLIN. Das Bruttoinlandsprodukt werde im Vergleich zum Vorquartal voraussichtlich um 0,8 Prozent steigen, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Konjunkturbarometer der Berliner Forscher. Damit setze sich der Aufholprozess leicht beschleunigt fort.

Zusammen mit dem Zuwachs aus dem zweiten Quartal, in dem die Wirtschaft um 0,3 Prozent gewachsen war, wäre damit knapp ein Drittel des Produktionseinbruchs aus den ersten drei Monaten des Jahres wieder aufgeholt, hieß es weiter. Bestätige sich diese Entwicklung, so wäre für 2009 insgesamt auch eine Schrumpfung von weniger als fünf Prozent möglich.

DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths warnte, trotz der Aufwärtsentwicklung sei es für eine generelle Entwarnung noch zu früh. "Die zuvor rabenschwarzen Erwartungswerte haben sich nunmehr zwar etwas aufgehellt, Tageslicht sieht aber anders aus." Die konjunkturelle Lage bleibe noch sehr angespannt und die Gefahren für die Beschäftigung wüchsen mit jedem Monat, in dem die Produktion nicht kräftig anziehe.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte davor, die Wirtschaftskrise als beendet anzusehen. „Die Krise ist auf dem Niveau der Talsohle noch nicht vorbei“, sagte sie. Jetzt müsse alles daran gesetzt werden, „dass wir wieder dahin kommen, wo wir vor der Krise waren“. Merkel hob das Instrument der Mitbestimmung hervor.

„Die Tatsache, dass wir die Talsohle eventuell erreicht haben, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies mit Abstand die schwierigste Wirtschaftskrise ist, die die Bundesrepublik Deutschland in 60 Jahren jemals zu überstehen hatte“, betonte Merkel. In diesem Jahr sei ein Einbruch von minus fünf bis minus sechs Prozent zu erwarten, bislang sei der größte Einbruch minus 0,9 Prozent gewesen.

Mit einem Anstieg der Wertschöpfung um zwei Prozent trägt laut DIW-Konjunkturbarometer die Industrie (ohne Bauwirtschaft) am stärksten zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum bei. Das wäre der erste Zuwachs seit eineinhalb Jahren. Gleichzeitig sei jedoch zu berücksichtigen, dass die Wirtschaftsleistung der Industrie in den vorangegangenen 18 Monaten um über 23 Prozent geschrumpft sei.

Die Bauwirtschaft zeige im dritten Quartal ein zweigeteiltes Bild: Einer sinkenden Aktivität im Wirtschafts- und Wohnungsbau stünden die expansiven Wirkungen der Konjunkturpakete für die öffentliche Bautätigkeit gegenüber. Die öffentliche Hand habe derzeit allerdings nur einen Anteil von gut zwölf Prozent an den gesamten Bauinvestitionen in Deutschland. Nach derzeitiger DIW-Einschätzung überwiegen im dritten Quartal die dämpfenden Kräfte leicht, so dass die Wertschöpfung der Bauwirtschaft um 0,3 Prozent schrumpfe.

Für den Bereich Handel, Gaststätten und Verkehr deute sich ein Wachstum von 0,5 Prozent an. Allerdings sei die Entwicklung "aufgrund der Verwirbelungen, die durch das Auslaufen der Abwrackprämie hervorgerufen werden", besonders schwer einzuschätzen, da mögliche Vorzieh- und Verdrängungseffekte die Dynamik um die Jahresmitte herum besonders stark beeinflussen dürften.

Bereits am Donnerstag hatten Forschungsinstitute und Bankexperten ihre Konjunkturprognosen für 2010 deutlich nach oben korrigiert. So stieg der GfK-Konsumklimaindex im August auf 3,4 Punkte. Für September wird ein weiterer Zuwachs auf 3,7 Punkte erwartet.

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