Konjunktur
DIW verordnet sich Konjunkturprognose-Stopp

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) macht Ernst mit seiner Forderung nach einem vorübergehenden Prognosestopp: Es übt sich selbst im Verzicht und wird keine Wachstumsprognose für das Jahr 2010 verkünden. Das Institut reagiert damit auf die jüngste Serie drastisch nach unten korrigierter Konjunkturprognosen aller Prognostiker.

BERLIN. In seiner für diesen Mittwoch angekündigten Frühjahrsanalyse werde das DIW keine bezifferte Vorhersage für das kommende Jahr machen, kündigte DIW-Präsident Klaus Zimmermann an. In der gegenwärtigen Lage mit extrem großen Unsicherheiten sei eine quantitative Prognose „nicht sinnvoll“.

„Seit der Verschärfung der Finanzkrise laufen alle Vorhersagen der tatsächlichen Entwicklung drastisch hinterher“, stellte Zimmermann fest. „Sämtliche Prognostiker - das DIW Berlin inbegriffen - haben die Entwicklung in all ihrer Dramatik so nicht vorausgesehen. Die Makroökonomik befindet sich in einem Erklärungsnotstand.“ Zimmermann hatte bereits im Herbst für den zeitweiligen Verzicht auf Wachstumsprognosen plädiert und dafür harsche Kritik von anderen Volkswirten einstecken müssen.

Im Januar sagte das DIW für das laufende Jahr ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 1,1 Prozent und für 2010 ein Wachstum von 1,1 Prozent voraus, aktualisierte Zahlen für 2009 sollen am Mittwoch vorgelegt werden. Dabei dürfte die Prognose deutlich gesenkt werden: In der Quartalsumfrage der Nachrichtenagentur Reuters, die in der vergangenen Woche vorgelegt wurde, prognostizierte das DIW ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung von 4,8 Prozent in diesem Jahr und ein Wachstum von 0,3 Prozent für 2010.

Mit seiner Januar-Vorhersage war das Institut deutlich optimistischer als die meisten anderen Konjunkturexperten. Inzwischen hat sich die Rezession angesichts von Rekordeinbrüchen bei Industrie und Exporten noch verschärft, zahlreiche Analysten haben ihre Prognosen gesenkt. Am pessimistischsten äußerten sich zuletzt die Volkswirte der Commerzbank, die ein Quartalsminus von sieben Prozent erwarten.

Im vergangenen Jahr lagen die DIW-Forscher mit ihren Prognosen kräftig daneben: Sie gehörten zu den wenigen Experten, die noch im November ein Wachstum für das vierte Quartal vorhergesagt hatten. Zum Jahresende war aber die Wirtschaftsleistung in Deutschland mit 2,1 Prozent so stark geschrumpft wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr.

Für große Empörung hatte zudem Zimmermanns Analyse geäußert, dass der Prognoseabwärtswettlauf die Schwere und Länge der Wirtschaftskrise verschärft habe.

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