Konjunktur
Einzelhandelsumsatz in USA fällt überraschend

Für die Wirtschaft in den USA gibt es nach Zeichen der Hoffnung immer wieder Rückschläge: So sind im Juli die Umsätze des Einzelhandels überraschend gefallen. Und auch der Arbeitsmarkt kommt nicht aus dem Tief.
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WASHINGTON. Rückschlag für die US-Konjunktur: Die Einzelhändler haben im Juli überraschend weniger Umsatz erwirtschaftet. Zugleich meldeten sich wieder mehr Menschen arbeitslos. Der krisengebeutelten US-Wirtschaft steht damit nach Einschätzung von Experten eine holprige Erholung bevor. „Es ist schwierig zu sagen, dass die Rezession vorbei ist“, sagte Christopher Low, Chefvolkswirt bei Fin Financial. „Wir sind von einem steilen Absturz zu einem moderaten Rückgang übergegangen, aber die Wirtschaft schrumpft weiter.“

Analysten zeigen sich überrascht davon, dass sich die Verbraucher nicht vom Auto-Programm „Cash for Clunkers“ (“Geld für Rostlauben“) zu mehr Einkäufen in die Läden locken ließen. Bei der US-Abwrackprämie bekommen Autofahrer eine Prämie von bis zu 4500 Dollar, wenn sie Spritschlucker gegen neue, sparsame Autos eintauschen. Das Geld, das für die neuen Autos ausgegeben wurde, fehle aber nun den Einzelhändlern, sagte Peter Boockvar von Miller Tabak & Co. Verglichen mit dem Vormonat hatten die Händler 0,1 Prozent weniger in den Kassen; klammert man die Autohäuser aus, ging der Umsatz sogar um 0,6 Prozent zurück.

Die steigende Arbeitslosigkeit halte zunehmend die Verbraucher vom Einkaufen ab, sagte Jay Mueller, Fondsmanager bei Wells Capital Management. „Es ist nicht leicht, Geld auszugeben, wenn immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren.“ Allein in der vergangenen Woche meldeten sich 558 000 Menschen erstmals arbeitslos, 4000 mehr als in der Woche zuvor, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Experten hatten dagegen einen Rückgang erwartet. Allerdings ließen die Daten des Ministeriums einen Hoffnungsschimmer erkennen: Die Zahl der Menschen, die seit längerem auf Arbeitslosenhilfe angewiesen sind, sank um 141 000 auf 6,2 Mio. und damit den niedrigsten Stand seit Mitte April.

Auf dem Immobilienmarkt ist unterdessen kein Ende der Zwangsversteigerungs-Welle zu erkennen. Trotz der staatlichen Hilfen für klamme Hausbesitzer nehmen die Kreditausfälle weiter in Rekordgeschwindigkeit zu. Die Zahl der Zwangsvollstreckungen stieg nach Angaben der Immobilienfirma Realtytrac im Juli zum Vormonat um sieben Prozent, gegenüber dem Vorjahr schnellte sie sogar um 32 Prozent in die Höhe. Für mehr als 360 000 Haushalte wurde im Juli ein Antrag auf Zwangsvollstreckung gestellt, das ist der höchste Wert seit Beginn der Datenerhebung des Unternehmens. Mit fast 60 Prozent aller Zwangsvollstreckungen blieben im Juli die Bundesstaaten besonders betroffen, die Anfang des Jahrzehnts am meisten von dem US-Immobilienboom profitierten: Kalifornien, Florida, Arizona und Nevada.

Die US-Notenbank Fed hatte bei ihrem Zinsentscheid am Mittwoch optimistischere Töne zur Konjunktur angeschlagen als zuletzt. Die Wirtschaft scheine sich nach der schwersten Krise seit der Großen Depression in den 30er Jahren zu stabilisieren. Den Leitzins beließ die Notenbank bei 0,0 bis 0,25 Prozent.

Den im Frühjahr gestarteten Ankauf von Staatsanleihen will die Fed Ende Oktober auslaufen lassen, bis dahin würden bereits Häufigkeit und Umfang der Marktoperationen reduziert, um dem Finanzmarkt einen sanften Übergang zu ermöglichen, teilte die Fed mit. Analysten sagten, die Fed spiele auf Zeit und wolle erst einmal abwarten, ob sich die erwartete Konjunkturerholung auch als nachhaltig erweise.

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