Konjunktur
Ende des Booms am Arbeitsmarkt

Alle Ampeln leuchten tiefrot beim Arbeitsmarkt: Jedes dritte Unternehmen plant, die Zahl der Mitarbeiter im nächsten Jahr zu reduzieren. Volkswirte erwarten, dass sich der konjunkturelle Abschwung am Arbeitsmarkt zu Beginn des nächsten Jahres bemerkbar machen wird.

DÜSSELDORF/BERLIN. Das klingt auf den ersten Blick fast schon paradox: Da wird die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag wohl erneut eine Arbeitslosenzahl von unter drei Millionen verkünden - und gleichzeitig leuchten alle Ampeln am Arbeitsmarkt dunkelrot. "Fast 35 Prozent der Unternehmen beabsichtigen, im kommenden Jahr die Anzahl ihrer Mitarbeiter zu reduzieren", sagt der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther. Lediglich 19 Prozent wollten neues Personal einstellen. Zum Vergleich: Im Herbst 2007 wollten 31,9 Prozent die Belegschaft im nächsten Jahr aufstocken und nur 15,1 Prozent verringern.

"Der konjunkturelle Abschwung hat sich verschärft und wird nun auch den Arbeitsmarkt erfassen", sagt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn, nachdem der Geschäftsklimaindex auf ein 15-Jahres-Tief rauschte. "Wir rechnen damit, dass wir zu Beginn des nächsten Jahres die ungünstige Entwicklung am Arbeitsmarkt sehen werden", ergänzt Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger.

Sollte die Wirtschaftsleistung kommendes Jahr tatsächlich - wie immer mehr Experten erwarten - um rund ein Prozent schrumpfen, hätte dies gravierende Folgen für den Arbeitsmarkt. "Wir tendieren sicher wieder Richtung Vier-Millionen-Marke", meint der Konjunkturexperte Carsten-Patrick Meier vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Zum Glück stiegen vor allem wegen des niedrigen Metalltarifabschlusses die Arbeitskosten auch kommendes Jahr nur "sehr moderat" an. Das könnte dazu führen, dass die Arbeitslosigkeit nicht wie in früheren Rezessionen sehr rapide in die Höhe schnelle.

Bereits im Oktober hatten die Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Krisenszenario einen Anstieg der Arbeitslosigkeit von 3,26 auf 3,6 Millionen im Jahresmittel 2009 vorhergesagt. Das damals noch als Risiko skizzierte Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent in 2009 sei "heute bereits von der Realität überholt", sagt IfW-Ökonom Meier. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte auch aufgrund der Vorgaben aus diesem Jahr 2009 um mehr als ein Prozent schrumpfen. Erst zu Beginn des Jahres 2010 sei mit einer Erholung zu rechnen.

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