Konjunktur
Euro-Wirtschaftsklima sonniger als erwartet

Die Stimmung von Unternehmern und Verbrauchern in der Euro-Zone hat sich im Juni unerwartet stark verbessert. Der Indikator liegt aber noch immer unter seinen alten Tiefständen aus den Zeiten vor der aktuellen Wirtschaftskrise aus dem Jahr 1992. EU-Wirtschaftskommissar Almunia warnte denn auch vor verfrühter Euphorie.

HB BRÜSSEL. Der Index kletterte auf 73,3 Punkte, wie die EU-Kommission am Montag mitteilte. Von Reuters befragte Volkswirte hatten für Juni lediglich mit einem Anstieg auf 70,8 Punkte gerechnet. Im März hatte es noch ein Rekordtief von 64,6 Zählern gegeben, seither war der Index aber schrittweise gestiegen.

Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone hat sich im Juni den dritten Monat in Folge aufgehellt. Der Economic Sentiment Index (ESI) sei von 70,2 Punkten im Vormonat auf 73,3 Punkte geklettert. Volkswirte hatten lediglich mit einer Aufhellung auf 70,8 Punkte gerechnet. Der Indikator liegt damit aber noch immer unter seinen alten Tiefständen aus den Zeiten vor der aktuellen Wirtschaftskrise aus dem Jahr 1992.

Vor allem die Stimmung im Dienstleistungsektor und bei den Verbrauchern hellte sich merklich auf. Eine leichte Erholung gab es auch in der Industrie. Die Stimmung in der Bauwirtschaft blieb unverändert. Das Einzelhandelsvertrauen verschlechterte sich leicht. Bei den größeren Länder war die Aufhellung besonders stark in Deutschland und in Frankreich (jeweils: +3,2 Punkte). Weniger erholte sich der ESI in Spanien, den Niederlanden (jeweils: +1,5) und Italien (+1,1).

Der Commerzbank zufolge wid ruch die Daten die Hoffnung genährt, dass die Euro-Wirtschaft allmählich Halt findet. „Hinweise auf die Stärke der kommenden Erholung geben die Daten aber nicht“, schränkte Analyst Christoph Weil in einer Studie ein. Gegenwärtig gelte kein Zusammenhang zwischen der Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts und dem Niveau des Stimmungsindikators ESI. Weil erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf die steigenden Stimmungsindikatoren nicht mit einem baldigen Kurswechsel in der Geldpolitik reagieren wird. „Wir gehen davon aus, dass die EZB erst im vierten Quartal 2010 beginnt, ihren Leitzins zu erhöhen“, so der Experte.

In den ESI gehen das Industrievertrauen mit 40 Prozent und das Dienstleistungsvertrauen mit 30 Prozent ein. Das Verbrauchervertrauen steuert 20 Prozent bei. Das Bauwirtschafts- und das Einzelhandelsvertrauen werden zu jeweils fünf Prozent gewichtet.

EU-Wirtschaftskommissar Joaquin Almunia sieht die Wirtschaft in Europa indessen noch einige Quartale in der Krise. Zwar befinde sich die Wirtschaft nicht mehr im freien Fall, sagte Almunia am Montag bei einer Veranstaltung in Madrid. Die EU-Staaten müssten dennoch ihre Programme zur Belebung der Konjunktur jetzt umsetzen und dürften zusätzliche Maßnahmen dazu nicht ausschließen.

Nach der im Mai vorgelegten Frühjahrsprognose der EU-Kommission wird die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg die Wirtschaft noch bis Mitte 2010 im Griff behalten. Für die EU und die Euro-Zone sagt die Kommission ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,0 Prozent im Jahr 2009 vorher. Für das Gesamtjahr 2010 lautet die Frühjahrsprognose minus 0,1 Prozent. Nach einigen positiven Konjunkturdaten erwarten einige Ökonomen, dass die Wende schon Anfang nächsten Jahres einsetzen könnte.

Almunia warnte vor einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Zuge der Krise. Es müsse verhindert werden, dass diese ein Dauerzustand werde. Der Kommissar hatte sich schon früher dafür ausgesprochen, die bereits hunderte Mrd. Euro schweren staatlichen Konjunkturprogramme noch aufzustocken. Doch die EU-Staats- und Regierungschefs befanden bei ihrem Gipfel in Brüssel kürzlich, dass die beschlossenen Impulse ausreichen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%