Konjunktur
Euro-Zone: Einkaufsmanagerindizes auf Rekordtief

Die Privatwirtschaft in der Euro-Zone taumelt immer tiefer in die Krise. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel im Dezember auf ein Rekordtief von 34,5 Punkten nach 35,6 Zählern im November, wie das Londoner Marktforschungsinstitut Markit am Dienstag mitteilte. Die deutschen Dienstleister bremsten ihre Talfahrt im Dezember überraschend ab.

HB LONDON/BERLIN. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten für die Privatwirtschaft in der Euro-Zone mit einem noch stärkeren Rückgang auf 34,3 Punkte gerechnet.

Der Service-Sektor erreichte mit 42,0 Zählern nach 42,5 Punkten im November ebenfalls ein neues Tief. Hier hatten Analysten einen Rückgang auf 41,2 Punkte erwartet. Das Barometer verharrt nunmehr seit sieben Monaten unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Eine derart lange Durststrecke musste der Sektor seit sieben Jahren nicht mehr durchstehen.

Die Unternehmen reagierten mit weiterem Personalabbau auf die Nachfrageflaute an den Weltmärkten, die sich in weiter rückläufigen Neuaufträgen bemerkbar macht. Die neuen Aufträge gingen so stark zurück wie nie zuvor seit Beginn der Markit-Umfragen, der Personalabbau war so groß wie seit mehr als drei Jahren nicht. Der Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, fiel ebenfalls auf ein Rekordtief: Das entsprechende Barometer ging auf 38,3 von 38,9 Punkten zurück.

Die deutschen Dienstleister bremsten indessen ihre Talfahrt im Dezember überraschend ab. Die Geschäfte schrumpften nicht mehr so stark wie im Vormonat, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Markit-Einkaufsmanagerindex hervorgeht. Das Barometer, das monatlich per Umfrage unter hunderten Firmen ermittelt wird, stieg nach vorläufigen Angaben auf 46,4 Punkte nach 45,1 Zählern im November. Der Servicesektor näherte sich damit unerwartet der Wachstumsschwelle von 50 Zählern wieder etwas an, während Analysten mit einem weiteren Rückgang auf 44 Zähler gerechnet hatten. In der Industrie wurden ihre pessimistischen Prognosen hingegen noch übertroffen. Der Index für die Geschäftstätigkeit sackte auf 33,5 Punkte von 35,7 Zählern im November ab.

Die Experten hatten im Schnitt lediglich mit einem Rückgang auf 34,5 Punkte gerechnet. Angesichts der Rezession baute die Industrie so stark Arbeitsplätze ab wie noch nie seit Beginn der Umfrage vor rund zwölf Jahren. „Wenn die Auslastung nächstes Jahr noch schwächer wird, wird sich der Personalabbau wahrscheinlich beschleunigen“, sagte Markit-Volkswirt Tim Moore. Der Auftragseingang war den sechsten Monat in Folge rückläufig. Er liegt mit einem Wert von 25,8 Zählern mittlerweile außerordentlich weit von der Wachstumszone entfernt.

Die Firmen im Service-Sektor sammelten den vierten Monat in Folge weniger neue Aufträge ein. Allerdings profitierten die Unternehmen von den gesunkenen Kosten und stellten zum Jahresende unter dem Strich wieder Beschäftigte ein. Auch die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung stiegen wieder leicht - allerdings von niedrigem Niveau. Der Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, fiel leicht von 39,8 auf 39,6 Punkte und erreichte damit ein Rekordtief.

Deutschlands Gastwirte bekommen Wirtschaftskrise und Konsumflaute ebenfalls voll zu spüren: Die Umsätze lagen auch im Oktober unter dem Vorjahreswert, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte. Nominal gab es ein Minus von 0,7 Prozent, real einen Rückgang um 3,9 Prozent. Im Vergleich zum September 2008 legten die Umsätze im Gastgewerbe kalender- und saisonbereinigt zwar nominal um 0,4 Prozent zu, unter Berücksichtigung der Inflation fielen sie jedoch 0,2 Prozent niedriger aus. Mit Ausnahme von Februar und Mai hat es in der Branche diesem Jahr in jedem Monat real Umsatzrückgänge gegeben, auch nominal hatten die Wirte in etlichen Monaten weniger in der Kasse als im jeweiligen Vorjahresmonat.

Im Oktober gab es den tiefsten Umsatzeinbruch im Beherbergungsgewerbe mit nominal minus 1,4 Prozent und real minus 5,5 Prozent. Auch Kneipen sowie Kantinen und Caterer verbuchten geringere Erlöse. In den zehn Monaten von Januar bis Oktober 2008 setzte das Gastgewerbe insgesamt nominal 0,7 Prozent mehr und real 1,9 Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum.

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