Konjunktur
Eurozone: Wirtschaftsklima stark verbessert

Auch in der Eurozone mehren sich die Anzeichen für ein Ende der Talfahrt. Das Klima bei Wirtschaft und Verbrauchern hat sich im August überraschend stark aufgehellt. Das ist der fünfte Anstieg in Folge.
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HB BRÜSSEL. Die Hoffnungen auf ein Ende der tiefen Rezession in der Euro-Zone steigen. Im August stieg die Stimmung von Unternehmern und Verbrauchern überraschend stark, wie die EU-Kommission am Freitag mitteilte. Das Barometer legte 4,6 Zähler auf 80,6 Punkte zu; von Reuters befragte Analysten hatten lediglich 78 Punkte erwartet. "Das ist eine breite Verbesserung der Stimmung", sagte Giada Giani von der Citigroup. "Wir werden wahrscheinlich ein leichtes Wachstum im dritten Quartal sehen."

Noch im März war das Stimmungs-Barometer auf ein Rekordtief von 64,6 Zählern gefallen. Allerdings ist das Barometer trotz der jüngsten Anstiege immer noch weit von seinem langjährigen Durchschnitt entfernt. Manche Experten halten einen Anstieg des Index auf mindestens 90 Punkte für nötig, bevor die Rezession zu Ende geht.

Die Firmen räumten ihre Lager zwar weiter, der Abbau der Bestände dürfte aber demnächst auslaufen. Das entsprechende Barometer liegt nur noch wenige Punkte über seinem langjährigen Durchschnitt. "Die Umfrageteilnehmer beurteilen ihre Bestände fast so hoch wie die gegenwärtige Nachfrage", sagte BNP-Paribas-Experte Clemente de Lucia. Das bedeute mehr Aufträge und Produktion in der Zukunft und dürfte den Aufschwung ankurbeln.

Allerdings signalisiert die Umfrage auch eine weiter fallende Kapazitätsauslastung im Sommerquartal. Sie dürfte mit 69,5 Prozent so niedrig sein wie noch nie in der Geschichte des Währungsraums. Das bedeutet, dass viele Maschinen stillstehen und Arbeiter keine Beschäftigung hätten. Experten warnen, Firmen halte das von Investitionen ab. Zudem drohe ein weiterer Arbeitsplatzabbau, was wiederum den Konsum belaste.

Bereits den fünften Monat in Folge erwarten die Verbraucher sinkende Lebenshaltungskosten, das entsprechende Barometer fiel auf ein Rekordtief. Citigroup-Expertin Giani bezeichnete das als Risiko: "Die Deflationsrisiken sind nicht gänzlich vom Radarschirm verschwunden." Sunil Kapadia von UBS hält dagegen: Die Unternehmen gingen von steigenden Preisen aus, deswegen müsse man keine Deflation befürchten.

Die Europäische Zentralbank hält stabile Preise bei Teuerungsraten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. Im Juli sanken die Preise dagegen um 0,7 Prozent. Bei einer Deflationsspirale halten sich Verbraucher in Erwartung weiter fallender Preise zurück - die Rezession vertieft sich. Notenbanker fürchten ein derartiges Szenario, weil ihnen kaum Instrumente zum Gegensteuern bleiben. Die EZB sieht derzeit aber keine Gefahr, dass es so weit kommt.

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