Konjunktur
Export: Deutschlands WM-Titel in Gefahr

Die deutschen Exporte sind 2008 so schwach gestiegen wie seit fünf Jahren nicht mehr. Ökonomen sagen voraus, dass auch „für die kommenden Monate keine Verbesserung zu erwarten“ sei. Die Welthandelsorganisation WTO geht deshalb davon aus, dass Deutschland in diesem Jahr als führende Exportnation von China abgelöst wird.

HB BERLIN. Trotz massiver Einbrüche am Jahresende haben die deutschen Exporteure 2008 mit einem Rekordumsatz ihre weltweite Spitzenposition verteidigt. Allerdings sind die Aussichten wegen der Wirtschaftskrise düster: Für dieses Jahr befürchtet die Branche erstmals seit 1993 ein Minus. „Die Finanzmarktkrise ist endgültig im deutschen Außenhandel angelangt“, sagte der Präsident des Exportverbandes BGA, Anton Börner, am Montag.

Die Unternehmen verkauften im abgelaufenen Jahr Waren im Wert von 992,7 Mrd. Euro ins Ausland und verfehlten knapp die angepeilte Billionengrenze, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das bisherige Rekordniveau von 2007 wurde damit um 2,8 Prozent übertroffen. Das war aber der geringste Zuwachs seit 2003. „Nach einem großartigen Start mit Wachstumsraten im zweistelligen Bereich brach der Außenhandel zum Jahresende ein“, betonte BGA-Chef Börner. So schrumpften die Ausfuhren in die Europäische Union - wohin fast zwei Drittel der Exporte gehen - im Dezember um fast 13 Prozent.

Trotzdem wurde Deutschland nach Berechnungen der Welthandelsorganisation WTO zum sechsten Mal in Folge Exportweltmeister. Der Vorsprung auf China sei aber auf 35 Mrd. Dollar geschmolzen, sagte WTO-Chefvolkswirt Patrick Low zu Reuters. 2007 waren es noch 105 Mrd. Dollar. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht in diesem Jahr erstmals China vorn. „Der Wachwechsel kommt“, sagte DIHK-Außenhandelschef Axel Nitschke zu Reuters. Für Außenhandelspräsident Börner ist das Rennen um den schmückenden Titel allerdings noch offen. „Noch ist nicht absehbar, welches der Länder von den derzeitigen Verwerfungen auf den Weltmärkten stärker betroffen sein wird.“

Im Dezember schrumpften die Exporte noch einmal um 3,7 Prozent zum Vormonat, nachdem es erst im November mit 10,8 Prozent das größte Minus seit der Wiedervereinigung gegeben hatte. „Der Tiefpunkt ist damit noch nicht erreicht“, sagte DIHK-Experte Nitschke. „Anfang des Jahres geht es noch weiter nach unten.“

Vor allem die sinkende Nachfrage nach den Exportschlagern Fahrzeuge und Maschinen dürften die Ausfuhren zum ersten Mal seit 1993 schrumpfen lassen. Bislang ging der DIHK von einem Minus von einem Prozent für 2009 aus. „Es gibt Hinweise darauf, dass sich diese Prognose nicht halten lässt“, sagte Nitschke. Allein die Ausfuhren nach Russland - dem bislang am schnellsten wachsenden Auslandsmarkt - dürften um ein Fünftel einbrechen. Grund seien sinkende Rohstoffeinnahmen Russlands.

Der Exportverband BGA befürchtet für 2009 ein Umsatzminus von bis zu sechs Prozent. Auf ein schwieriges Jahr deutet vor allem die Auftragsentwicklung in der exportabhängigen Industrie hin. Sie musste im Dezember den stärksten Auftragsrückgang seit 1991 hinnehmen. Das Verarbeitende Gewerbe erlitt im Dezember zugleich den größten Umsatzeinbruch seit der Wiedervereinigung. Die Einnahmen schrumpften zum Vorjahresmonat real um 12,6 Prozent, im Gesamtjahr 2008 lag das Minus bei 0,2 Prozent.

Die Industrie blickt äußerst pessimistisch in die Zukunft und erwartet 2009 Produktionskürzungen und sinkende Gewinne. Wie aus einer Umfrage der KPMG-Wirtschaftsprüfer unter rund 500 Firmen hervorgeht, wollen diese Arbeitsplätze streichen und ihre Investition kürzen. Wegen des schwachen Exportgeschäfts sagen Fachleute für das vierte Quartal 2008 den stärksten Konjunktureinbruch seit der Wiedervereinigung voraus. Erwartet werde ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von zwei Prozent zum Vorquartal, sagte UniCredit-Experte Alexander Koch. Das bislang stärkste Minus gab es zu Jahresbeginn 1993 mit 1,2 Prozent. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht am Freitag seine Schätzung.

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