Konjunktur
Exporte brechen ein, aber Bundesbank bleibt optimistisch

Ist es Zweckoptimismus? Bundesbank-Präsident Jens Weidmann glaubt, dass die deutsche Wirtschaft auf Wachstumskurs bleibt. Die Statistik spricht eine andere Sprache: Sie meldet heute einen Einbruch der deutschen Exporte.
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BerlinEigentlich reißt die Serie schlechter Nachrichten für die deutsche Wirtschaft reißt nicht ab: Die Exporte fielen im April zum ersten Mal in diesem Jahr. Auch Produktion, Industrieaufträge und Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe waren zu Beginn des zweiten Quartals gesunken.

"Die Dynamik lässt wegen der Schuldenkrise in der Eurozone nach", sagte der Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Nach dem starken Jahresauftakt trauen Experten der Wirtschaft im Frühjahr nur noch ein Mini-Wachstum zu.

Die Unternehmen verkauften 1,7 Prozent weniger ins Ausland als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Das war der erste Rückgang nach drei Anstiegen in Folge. Analysten hatten lediglich mit einem kalender- und saisonbereinigten Minus von 1,0 Prozent gerechnet.

Insgesamt setzten die Unternehmen im Ausland 87,1 Milliarden Euro um, ein Plus von 3,4 Prozent gegenüber April 2011. Während die Ausfuhren in die gegen eine Rezession kämpfenden Euro-Länder um 3,6 Prozent zurückgingen, legten sie in Länder außerhalb der Europäischen Union um 10,3 Prozent zu.

Trotz dieser schlechten Vorzeichen bleibt die Bundesbank optimistisch und fürchtet für Deutschland nicht mit einem Konjunktureinbruch. "Ich gehe davon aus, dass die expansiven Kräfte die Oberhand behalten, wenn die Staatsschuldenkrise im Euro-Gebiet nicht eskaliert", sagte Bundesbankchef Jens Weidmann zur Vorhersage der deutschen Notenbank. Sie prognostiziert für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent und ist damit optimistischer als die Bundesregierung, die in ihrer Frühjahrsprognose nur 0,7 Prozent veranschlagt.

"Dabei dürfte sich im Jahresverlauf die konjunkturelle Dynamik angesichts einer immer noch soliden Weltwirtschaft und der sehr vorteilhaften Finanzierungsbedingungen verstärken", erklärte die Bundesbank. 2013 werde sich das Wachstum dann auf 1,6 Prozent beschleunigen.

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  • Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie hat die BRD ihren ökonomischen Abstieg bereits besiegelt.

  • Zweckoptimismus? Ist es nicht eher Zweckpessimissmus, den die Medien da veranstalten? Alles wird schlechtgeschrieben, ganz gegen die Faktenlage. Nicht umsonst warnen besonnene Menschen vor einer "sich selbst erfüllenden Prophezeiung". Ein verringertes Wachstum ist noch lange kein "Einbruch". Ein Einbruch kommt nur, wenn man den Menschen skrupellos Angst vor der Zukunft macht. Die Medien sind leider auf dem besten Weg dazu!

  • Wenn Wettbewerber immer stärker werden und auch deutsche Unternehmen immer mehr in Drittländer produzieren lassen (aus xyz-Gründen), brechen auch eigene Exporte ein. Schließlich nehmen Importe ständig zu; besonders "schlimm" ist es, wenn die eigene Wirtschaftsleistung dazu immer stärker abfällt (z.B. Griechenland).

    Dieser Blick wird eigentlich seltener kommentiert; wenn in der EU beispielsweise Autowerke nicht ausgelastet sind, dann liegt es auch mit an der generellen Anzahl der Autowerke und einer Autoimportquote. Kommentiert wird es lediglich damit, dass die Kapazitäten nicht ausreichend ausgelastet sind. Es wird jedoch weniger über die Gründe berichtet.

    Es war aber schon immer so, dass Nationen in Ihrer Wirtschaftskraft schwinden, wenn die Innovationsfähigkeit nachläßt u. die Unternehmensanzahl schrumpft (qualitativ und/oder qantitativ). Hinzu kommt, dass die Produktivität steigt. Das verkraften dann die Länder in der EU unterschiedlich gut; hinzukommt, dass Politiker vermeiden ehrlich und offen zu informieren. In Spanien stiegen die Staatsverschuldungswerte in nur wenigen Jahren extrem an: Von 307 Mrd. Euro (2007) auf 620 Mrd. Euro (2012). Besonders kommentiert wurde es von der spanischen Politik nicht. Jetzt kommt noch die spanische Bankenkrise hinzu, die die Schuldenwerte um einen weiteren hohen Mrd. Euro Betrag erhöhen wird. Europa lebt nicht vom eigenen Schaffenswerten, sondern von Liquidität aufgrund von Schulden. Bei platzenden Blasen kommen natürlich die Erträge nicht wieder zurück. Länder die so massiv klamm werden, können irgendwann auch weniger importieren. Die eigene Wirtschaft ist zudem wenig wettbewerbsfähig und auch "Dank dem Euro" relativ teuer.

    Europa steht eine harte Anpassung an die eigene Wirtschaftsleistung bevor; die Zeiten des Scheinerfolges dank Milliarden-Schuldenaufnahmen "wieder und immer wieder" geht zu Ende. Nach einer Sauftour (Schuldenexesse) folgt ein Kater. Nur ist dieser wenig putzig.

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