Konjunktur
EZB-Daten signalisieren baldige Kreditklemme

Die jüngsten Zahlen zur Entwicklung der Geldmenge und der Kreditvergabe im Euro-Raum verheißen nichts Gutes. Nach Meinung vieler Volkswirte geben sie Hinweise auf eine baldige Kreditklemme. Die Experten befürchten, dass das Kreditangebot in den kommenden Monaten weiter zurückgehen könnte.
  • 0

HB FRANKFURT. Die Kreditvergabe der Banken ist im Juli in den 16 Euro-Ländern so langsam gewachsen wie noch nie. Die Summe der an Firmen und private Haushalte gewährten Darlehen wuchs im Juli nur noch um 0,6 Prozent, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag mitteilte. Im Juni hatte das Plus noch 1,3 Prozent betragen.

Auch das Wachstum der für die Zinspolitik der EZB wichtigen Geldmenge M3 ging weiter zurück. Das Plus lag nur noch bei 3,0 Prozent nach 3,6 Prozent im Juni. Analysten hatten ein Plus von 3,2 Prozent erwartet. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (Mai bis Juli) wuchs M3 mit einer Jahresrate von 3,4 Prozent. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen bis zu zwei Jahren Laufzeit.

Volkswirte äußerten sich besorgt angesichts der Daten. „Es sind schlechte Nachrichten für die Wirtschaft, dass die Kreditvergabe auf Monatssicht stagniert oder leicht fällt", sagte Holger Sandte von der WestLB. "Das zeigt, wie angespannt die Lage bei den Banken immer noch ist. Dies begrenzt unserer Einschätzung nach die Möglichkeiten für einen Aufschwung.“

Thilo Heidrich von der Postbank führt den deutlichen Rückgang bei der Kreditvergabe darauf zurück, dass die Leute vorsichtiger geworden seien, was die Aufnahme von Krediten angehe. "Zudem sind auch die Banken zurückhaltender", erklärte der Ökonom. Ob darsu eine Kreditklemme entstehe, könne man zwar derzeit noch nicht sagen. "Der Trend bei der Kreditvergabe ist aber nach wie vor abwärts gerichtet.“ Als gute Nachricht wertet Heidrich dagegen, dass dass die Geldmenge gestiegen sei. "Das ist ein guter Vorläuferindikator für das BIP und lässt darauf hoffen, dass das Wachstum weiter anzieht."

Auch Thomas Amend von HSBC Tinkaus & Burkhardt sieht noch keine Kreditklemme. "Aber wir könnten in Teilbereichen Probleme in den kommenden Monaten bekommen", gab der Ökonom zu bedenken. "Es ist eine Erkenntnis aus der Finanzkrise, dass man nicht mehr so unbesorgt Kredite vergibt", erklärte er. Allerdings sei auch die Nachfrage von Unternehmen und privater Seite geringer.

Kommentare zu " Konjunktur: EZB-Daten signalisieren baldige Kreditklemme"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%