Konjunktur
EZB: Mit Fed-Strategie gegen die Krise

Die US-Notenbank hat es vorgemacht. Jetzt überlegt auch die Europäische Zentralbank (EZB), ob sie der Fed folgt und im Kampf gegen die Finanzkrise ihren Instrumentenkasten ausweitet, indem sie ebenfalls auf unorthodoxe geldpolitische Maßnahmen setzt. Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, hält die Pläne der EZB unter bestimmten Bedingungen für unausweichlich.

dne/HB PARIS. Möglich sei beispielsweise der direkte Ankauf kurz laufender Unternehmensanleihen, sogenannter Commercial Papers, sagten die beiden Notenbankchefs Deutschlands und Frankreichs, Axel Weber und Christian Noyer, am Dienstag in Paris. Beide hatten an turnusmäßigen Konsultationen beider Länder zur Wirtschafts- und Finanzpolitik teilgenommen.

Bundesbank-Präsident Weber betonte, durch einen direkten Ankauf von Anleihen würde das Risiko dieser Papiere von den Banken auf die Notenbank verlagert. Die EZB habe immer - im Unterschied zur US-amerikanischen Fed - Unternehmenspapiere als Sicherheiten akzeptiert und den Banken dafür Zentralbankgeld gegeben, aber das Kreditrisiko bei den Banken belassen. „Wir prüfen nun, ob wir das Kreditrisiko den Banken abnehmen sollen. Es gibt Argumente dafür und dagegen.“ Es sei noch völlig offen, ob die EZB ähnlich der Notenbanken in den USA, Japan oder bald auch Großbritannien ihre Geldpolitik umstellen werde, bekräftigte Noyer.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, hält die Pläne der EZB unter bestimmten Bedingungen für unausweichlich. "Kämen an sich kreditwürdige Unternehmen nicht mehr an Kredite, würde die Wirtschaft auf Jahre schrumpfen", sagte er im Gespräch mit Handelsblatt.com. "In einer solchen Notsituation wäre es denkbar, dass die EZB über ihren Schatten springt und Unternehmen etwa über den Kauf von Commercial Paper direkt Kredite gewährt." Noch könne die EZB zwar nur mit solchen Institutionen Geschäfte abschließen, die der Mindestreservepflicht unterliegen, erläuterte der Ökonom. Aber diese rechtliche Beschränkung habe sie sich selbst auferlegt. Notfalls könne sie auch Unternehmen als Geschäftspartner zulassen, sagte Krämer.

Dessen ungeachtet kann nach Ansicht Krämers niemand eine Unterversorgung mit Kredit prinzipiell ausschließen. Aber die Kreditstatistiken der EZB deuteten bis zuletzt ja nicht auf eine Kreditklemme, und die Finanzkrise wüte ja schon seit Mitte 2007. "Insofern müsste sich die Lage dramatisch verschlechtern, bevor die EZB bereit ist, die Geschäftsbanken zu umgehen und den Unternehmen direkt Kredite zu gewähren", meint der Chefvolkswirt.

Die EZB hat den Leitzins für die Euro-Zone im bisherigen Verlauf der Krise noch bei weitem nicht so aggressiv gesenkt wie etwa die Fed oder die Bank von England. In den Vereinigten Staaten hat die Notenbank längst begonnen mit alternativen geldpolitischen Maßnahmen, wie etwa dem Ankauf fauler Wertpapiere oder Unternehmensanleihen zusätzliches Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Von der Bank of England erwarten Experten, dass diese noch diese Woche auf einen ähnlichen Kurs einschwenken wird.

Die EZB hält sich derzeit bedeckt, da sie beim Leitzins noch Spielraum hat. Allerdings erwarten die Finanzmärkte, dass der EZB-Rat bei seinem Treffen amDonnerstag in Frankfurt die Zinsschraube erneut lockert und damit völlig unbekanntes Terrain betritt. Niedriger als bei den aktuellen zwei Prozent stand der Leitzins in der Währungsunion noch nie seit Einführung des Euro vor rund zehn Jahren.

Ob eine Politik der quantitativen Lockerung - bei der die Notenbank die Wirtschaft nicht mehr über den Zins, sondern über die Geldmenge steuert - überhaupt nötig werden könnte, ließ Noyer offen. Zuletzt habe es an den Finanzmärkten Zeichen der Entspannung gegeben. „Der Anleihenmarkt hat im Dezember und Januar damit begonnen, wieder aufzuwachen, nachdem er eine Reihe von Monaten praktisch geschlossen war“, sagte der Gouverneur der Banque de France.

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