Konjunktur
EZB senkt Leitzins auf historisches Tief

Im Kampf gegen die Rezession hat die Europäische Zentralbank den Leitzins im Euro-Raum auf den niedrigsten Stand seit der Euro-Einführung 1999 gesenkt: Der Schlüsselzins für die Refinanzierung der Banken verringert sich um 0,5 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent. Zuvor hatte bereits die Bank of England einen ähnlichen Schritt unternommen.

FRANKFURT. Ökonomen hatten diese Entscheidung erwartet. Wegen der Wirtschaftskrise im Raum der 15 Euro-Länder hatten die Währungshüter den Leitzins seit Oktober 2008 bereits in vier Schritten um insgesamt 2,25 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent reduziert. Mit niedrigeren Zinsen will die Notenbank Kredite für Unternehmen und Verbraucher verbilligen und damit die Wirtschaft ankurbeln.

In Großbritannien senkte die Bank von England unterdessen den Leitzins ebenfalls am Donnerstag um 0,5 Punkte auf den historischen Tiefststand von 0,5 Prozent.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte den Zinsschritt bereits mehrfach angedeutet und mit der „langen Phase eines großen wirtschaftlichen Abschwungs“ im Euro-Raum begründet. Wie er am Donnerstag sagte, seien die Aussichten für eine konjunkturelle Erholung im Euroraum bereits 2009 weiter schlecht. Im laufenden Jahr werde die Konjunktur voraussichtlich sehr schwach bleiben, sagte Trichet. Erst im kommenden Jahr dürfte sich die Euroraum-Wirtschaft wieder leicht erholen. Die Inflation habe sich weiter abgeschwächt, die Teuerungsrate könnte zur Jahresmitte sogar zeitweise in den negativen Bereich absinken. Für eine mittelfristig ausgerichtete Geldpolitik seien derart kurzfristige Schwankungen aber irrelevant, unterstricht Trichet.

Der Notenbankchef signalisierte zugleich eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik, er sprach sich aber zugleich gegen eine Nullzinspolitik aus. Trichet sagte, er könne eine weitere Zinssenkung nicht ausschließen. Die Zinsen könnten weiter herunter gehen, seien aber bereits auf einem „sehr, sehr niedrigen Niveau“. Die EZB-Spitze sehe aber einige Nachteile einer Nullzinspolitik. Zudem diskutiere der EZB-Rat weitere unkonventionelle Maßnahmen der Geldpolitik.

Die Frage, ob die EZB anderen Notenbanken bald folgt und über den massenhaften Ankauf von Wertpapieren zusätzlich Geld in die Wirtschaft pumpt, wenn sich der Leitzins der Nulllinie nähert, blieb zunächst offen. Diese im Fachjargon „quantitative Lockerung“ genannte Form der Geldpolitik ist unter Experten heftig umstritten.

Die Wirtschaft begrüßte die Zinsentscheidung der EZB. „Sie nutzt den Spielraum, den ihr der sinkende Preisdruck eröffnet“, sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Angesichts der schwierigen konjunkturellen Situation sei die Zinssenkung angemessen. Sie trage zur Stabilisierung der Finanzmärkte bei. „Das wiederum ist die Voraussetzung dafür, dass sich auch die Realwirtschaft erholt“, sagte Treier. Ziehe die Konjunktur an, müsse die EZB ihren Zins aber rasch wieder anheben, um so Inflationsgefahren im Keim zu ersticken.

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