Konjunktur
„Fed-Entscheid lässt EZB keine andere Wahl“

Der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung von Ökonomen nach der Entscheidung der US-Notenbank zum Ankauf von Staatsanleihen zunehmen. Doch sind die Maßnahmen der Fed wirklich geeignet, die globale Wirtschafts- und Finanzkrise einzudämmen?

WASHINGTON/FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die US-Notenbank greift im Kampf gegen die schwerste Rezession seit Jahrzehnten immer tiefer in die Trickkiste. Das dürfte eine nicht zu unterschätzende Signalwirkung auf die europäische Geldpolitik haben. Führende Ökonomen in Deutschland jedenfalls vertreten die Ansicht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nicht umhin kommen wird, dem Beispiel der amerikanischen Notenbanker zu folgen und die Liquiditätsschleusen weit zu öffnen.

„Das Ausmaß der Krise wird der EZB keine andere Wahl lassen“, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Gustav Horn, am Donnerstag im Gespräch mit Handelsblatt.com. „Sie muss alle ihre gegebenen Mittel einsetzen, um die Herausbildung einer Deflation im Vorfeld zu verhindern.“ Dazu gehöre auch, dass die EZB im Zuge eines „quantitative easing“ (Maßnahmen, die auf eine Ausweitung der Geldmenge zielen) im Umlauf befindliche Wertpapiere aufkauft, darunter auch Staatspapiere. „Der Druck auf die EZB wird auch deshalb zunehmen, weil, wie erste Reaktionen bereits zeigen, der Dollar gegenüber dem Euro deutlich abzuwerten droht“, betonte Horn. Dies könne man nicht unbegrenzt durchhalten, solle die Erholung im Euro-Raum nicht „gravierend“ erschwert werden.

Auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sprach bei Handelsblatt.com von einem „erhöhten Druck“ auf die EZB, ebenfalls direkt Anleihen aufzukaufen, nachdem die britische und die amerikanische Notenbank die Notenpresse angeworfen hätten. Die EZB habe das ja grundsätzlich nicht ausgeschlossen, sagte Krämer und fügte hinzu: „Droht eine echte Kreditklemme - noch ist sie in den Daten nicht zu sehen - dürfte sie zu diesem letzten Mittel greifen."

Die US-Notenbank hatte zuvor weitere Stützungsmaßnahmen für den Finanz- und Immobilienmarkt angekündigt. Wie die Federal Reserve am Mittwoch nach einer Sitzung des Offenmarktausschusses in Washington mitteilte, will sie in den kommenden Monaten langlaufende Staatsanleihen im Volumen von bis zu 300 Mrd. Dollar ankaufen. Bereits laufende Programme zum Ankauf forderungsbesicherter Anleihen sollen außerdem deutlich ausgeweitet werden. Insgesamt dürfte sich damit die Bilanz der Fed um rund eine Billion Dollar aufblähen. Finanziert werden die Ankäufe, durch die weitere Mrd. Dollar in die taumelnde US-Wirtschaft gepumpt werden sollen, durch die Notenpresse.

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