Konjunktur
Fed könnte jahrelangen Nullzins anpeilen

In den USA können die Zinsen nach Einschätzung eines führenden Mitglieds der Notenbank noch jahrelang nahe Null liegen. Experten sehen die Ankündigung mit großer Skepsis. Sie erwarteb erste Zinserhöhungen in der zweiten Jahreshälfte 2010.

HB FRANKFURT. Jahrelange Nullzinspolitik - dies könnte nach Aussagen von US-Notenbankmitglied Janet Yellen den USA blühen. Der Markt hatte indes schon auf eine baldige Zinserhöhung spekuliert. Dies bezeichnete die Präsidentin der regionalen Notenbank von San Francisco am späten Dienstagabend aber als verfrüht. Die Aussichten auf eine sehr langsame Erholung flankiert von hoher Arbeitslosigkeit sollten Yellen zufolge die Fed davon abhalten, die Zinsen in absehbarer Zeit zu erhöhen oder die lockernden Maßnahmen zurückzufahren. Droht damit die nächste Kreditblase?

„Durch die jüngsten Maßnahmen und die dadurch große Liquiditätsausstattung in den USA besteht grundsätzlich die Sorge einer neuen Kreditblase“, sagte WestLB-Volkswirt Bastian Hepperle. Viel hänge davon ab, wie sich die Konjunktur erhole. Yellen habe wohl versucht, die Marktspekulationen auf eine baldige Zinserhöhung zu dämpfen. Nehme man ihre Aussagen allerdings für „bare Münze“, dann würden die Zinsen in den USA wohl für mehrere Jahre bei Null bleiben. „Dies steht allerdings den Aussagen eines weiteren Fed-Mitglieds, Richard Fisher, entgegen, denen zufolge niemand im Offenmarktausschuss länger als nötig an der aktuellen Geldpolitik festhalten will“, so Hepperle. Sollte sich die Erholung der US-Wirtschaft fortsetzen, dürfte Yellen ihre Aussage auch wieder zurücknehmen, vermutet der Experte. Er selbst erwartet erste Zinserhöhungen in der zweiten Jahreshälfte 2010.

Befürchtungen, die US-Notenbank könnte mit einer zu späten Anhebung der Zinsen eine starke Inflation schüren, sind Yellen zufolge fehl am Platz. Im Gegenteil: Die Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Nahrungsmittel- und Energiepreise könne im nächsten Jahr sogar in die Nähe von einem Prozent und damit deutlich unter ihre bevorzugte Rate von zwei Prozent fallen. „Die Geschichte hat uns gelehrt, dass solche Inflationssorgen Zentralbanken zu einem zu frühen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik brachten“, sagte Yellen.

Volkswirt Kristian Tödtmann von der DekaBank nahm die Aussagen Yellens gelassen auf. „Die Kommentare sind ziemlich naheliegend - Inflationsgefahren für die USA sehe ich in nächster Zeit ebenfalls nicht“, sagte der Experte. Die aktuelle extreme Unterauslastung der US-Wirtschaft muss seiner Einschätzung nach zu niedrigen Inflationsraten und zwar für eine lange Frist führen. „Die Fed hat hier viel Spielraum“, so Tödtmann. Auch die Gefahr einer neuen Kreditblase schätzt er gering ein. „Zudem ist dies eher eine Aufgabe für die Bankenregulierung als für die Geldpolitik. Je vernünftiger Banken mit Blick auf die Eigenkapitalsicherung aufgestellt sind, desto weniger Schaden kann angerichtet werden.“ Derzeit hielten sich die Banken ohnehin stark zurück bei der Kreditvergabe und gingen kaum Risiken ein.

Yellen warnte unterdessen vor einer Wiederholung der Politik während der Großen Depression. Damals hatte die Fed nach einer zweijährigen Erholungsphase der Wirtschaft die Geldpolitik wegen Sorgen um die hohe Liquidität im Bankensektor wieder verschärft und ein Jahr später sackte die Wirtschaft erneut in eine tiefe Rezession. Eine jetzige Erholung, wenn sie denn komme, werde „frustrierend gering“ ausfallen, so Yellen. Mit einer Arbeitslosenquote von 9,4 Prozent im Mai wäre sie „begeistert“ zu sehen, wie diese in den kommenden Jahren auf sechs Prozent falle und dafür werde die Fed jedes nötige Mittel einsetzen.

Auch Bernd Weidensteiner, Volkswirt bei der Commerzbank, sieht keinen Anlass zur Sorge. „Yellen geht - ähnlich wie wir auch - insbesondere von einem sehr schwachen Aufschwung aus“, sagte er. Der Verbraucher versuche derzeit, seine Finanzen zu reparieren und das lasse wenig Spielraum für Konsum. Wichtig seien Yellens Aussagen zur Inflation. Sie gehe davon aus, dass sie eher zu niedrig ausfallen wird und es auf absehbare Zeit auch Druck auf die Löhne geben dürfte. „Damit sieht sie nach unten gerichtete Preisrisiken und das führt zu der Aussage, dass die Zinsen wohl lange niedrig bleiben werden“, so Weidensteiner.

Insgesamt decke sich diese Richtung mit Aussagen der Fed, dass die Zinsen entgegen der Marktspekulationen nicht schnell angehoben würden - auch wenn Yellen als „Taube“ unter den Zentralbankern vielleicht eine etwas extremere Postion einnehme. Fachlich sei Yellen ohnehin unkritisch und gelte als „Geheimtipp“ für eine mögliche Nachfolge des aktuellen Fed-Chefs Ben Bernanke. „Im aktuellen Umfeld, das sicher noch ein bis zwei Jahre anhalten wird, sehe ich keine Gefahren einer neuen Kreditblase“, so das Fazit von Weidensteiner, der für Herbst 2010 die erste Zinserhöhung in den USA erwartet.

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