Konjunktur
Großbritannien hält Kurs in der Geldpolitik

Die britische Zentralbank will vorerst nicht noch mehr Geld in die Wirtschaft pumpen. Der Leitzins bleibe auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent, teilte die Bank of England mit. In den USA deutet sich dagegen ein geldpolitischer Schwenk an.
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HB LONDON. Zudem werde an Umfang und Zeitplan des Ankaufprogramms für Staatsanleihen über 175 Mrd. Pfund nicht gerüttelt, heiß es in einer nach der Sitzung verbreiteten Erklärung.

Vergangenen Monat hatten die Briten die Märkte damit überrascht, dass sie das Programm überraschend um 50 Mrd. Pfund aufstockten. Dieses Mal hatten Experten mehrheitlich mit einer Bestätigung des geldpolitischen Kurses der Notenbank gerechnet. Vereinzelt hatten Analysten darauf spekuliert, die Bank of England könnte - ähnlich der schwedischen Notenbank - ihren Einlagesatz, zu dem Banken bei ihr Geld anlegen können, unter null Prozent fallen lassen. Damit würde es für Banken unattraktiv, Liquidität bei der Zentralbank zu parken.

Großbritannien leidet wegen seines starken Finanzsektors besonders stark unter der Wirtschaftskrise und hat mit massiven Kreditproblemen zu kämpfen. Allerdings mehrten sich in jüngster Zeit wie auch in anderen Ländern erste Anzeichen für ein Ende des freien Falls der Wirtschaft. Die Notenbanker erklärten am Donnerstag, sie seien sich aber nicht sicher, ob diese Entwicklung auch nachhaltig sei.

In den USA deutet sich dagegen ein geldpolitischer Schwenk an. Die Federal Reserve wird nach den Worten eines US-Notenbankers die Zinsen wieder anheben, sobald die wirtschaftliche Erholung Fuß gefasst hat und die Arbeitslosenquote fällt. Weitere Signale für eine Abkehr der Fed von der Nullzinspolitik seien eindeutig bessere Aussichten und eine klare Zukunftsorientierung der Unternehmen, sagte der Präsident der Fed von Chicago, Charles Evans, dem Fernsehsender PBS laut Vorabbericht vom Mittwoch. Den Abschwung habe die US-Wirtschaft bereits weitgehend hinter sich gebracht. Die Erholung werde jedoch langsam verlaufen, warnte Evans. Zu erwarten sei eine „U“-förmige Erholung. „Es wird hieraus keine starke Dynamik entstehen und das wird mit dem Anstieg der Arbeitslosigkeit zusammenhängen“, sagte Evans. Trotz einer Reihe von Ungewissheiten erwarte er aber kein erneutes Abgleiten der Wirtschaft in eine Rezession.

Evans ist in diesem Jahr stimmberechtigt im Offenmarktausschuss, der über die geldpolitische Strategie entscheidet und den Leitzins festlegt. Die US-Notenbank hat in der schwersten Wirtschaftskrise seit rund 80 Jahren ihren Leitzins auf faktisch null Prozent gesenkt und pumpt zudem mehr als eine Billion Dollar in die Wirtschaft und das Finanzsystem. Zwar mehren sich derzeit die Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung. Die Fed hat jedoch angedeutet, dass sie den Leitzins noch längere Zeit sehr niedrig halten will. Experten rechnen frühestens ab Mitte kommenden Jahres mit einer langsamen Kehrtwende.

Nach Ansicht des Präsidenten der Fed von Dallas, Richard Fisher, ist eine rechtzeitige Rücknahme der Sonder-Programme der Fed entscheidend, um eine hohe Inflationsrate zu verhindern. „Angesichts des zeitlichen Abstandes zwischen der Einleitung der Geldpolitik und ihren Auswirkungen auf die Wirtschaft muss dieser Rücknahmeprozess beginnen, sobald es überzeugende Anzeichen dafür gibt, dass das Wirtschaftswachstum Fuß gefasst hat“, sagte Fisher laut Redetext bei einer Veranstaltung der Handelskammer von Nord-Dallas. Derzeit sei das größte Risiko für die Preisstabilität in den USA jedoch eine Deflation.

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