Konjunktur
Heftiger Ökonomenstreit über Horrorprognosen

Die Schwarzmalerei bei den Schätzungen zur Wirtschaftsentwicklung in Deutschland geht inzwischen nicht nur der Bundesregierung auf die Nerven. Auch in der Ökonomenzunft regt sich Widerstand gegen die ständigen Horroszenarien: Der DIW-Chef Zimmermann liest seinen Kollegen ordentlich die Leviten und kassiert dafür heftige Prügel.

DÜSSELDORF. Führende Ökonomen in Deutschland haben Aussagen des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, energisch widersprochen, wonach der "Prognoseabwärtswettlauf" der Forschungsinstitute, Bankanalysten und internationalen Organisationen die Wirtschaftskrise noch verschärft hat. "Könnte es vielleicht sein, dass Herr Zimmermann mit seinen Thesen von den prognostischen Fehlleistungen seines eigenen Instituts ablenken will, das den Einbruch der Krise völlig verschlafen hat?", fragte der der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Gustav Horn, am Freitag im Gespräch mit Handelsblatt.com.

Auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, wandte sich gegen die Äußerungen des DIW-Chefs. "Fast alle Volkswirte werden seit Monaten durch schlechte Konjunkturdaten überrascht. Das zeigt doch, dass sie eher Getriebene als Treibende der Konjunktur sind", sagte Krämer Handelsblatt.com.

Hintergrund ist ein Gastbeitrag Zimmermanns , bei Handelsblatt.com. Darin klagt der Ökonom über "eine Kaskade von Prognosen und ihre Revisionen" in den vergangenen Wochen und fragt, "ob es nicht in solchen Situationen besser wäre, auf die Veröffentlichung von neuen Prognosen für eine Weile zu verzichten". Denn aus einer wachsenden Unsicherheit könne nichts mehr gelernt werden. Zimmermanns ernüchterndes Fazit: " Wahrscheinlich hat der Prognoseabwärtswettlauf die Schwere und Länge der Wirtschaftskrise verschärft."

IMK-Chef Horn sagte dazu, es gebe keinen wissenschaftlichen Beleg für die Position Zimmermanns. "Es wäre ja auch absurd zu unterstellen, dass zum Beispiel französische Importeure ihre Bestellungen in Deutschland reduzieren, weil deutsche Forschungsinstitute eine tiefe Rezession mit einbrechender Auslandsnachfrage prognostizieren", merkte der Ökonomen kritisch an und fügte hinzu: "Die Binnennachfrage in Deutschland, die ja wohl empfänglicher für derartigen Pessimismus sein würde, ist aber nicht die Quelle des dramatischen Einbruchs."

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