Konjunktur
Ifo-Geschäftsklimaindex steigt erneut

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli leicht gestiegen: Das wichtigste Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft liegt nun bei 106,2 Punkten – im Vormonat hatte der Index noch bei 105,9 Punkten gelegen.
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MünchenDie Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli weiter aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 105,9 Zählern auf 106,2 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage mitteilte. Das ist der dritte Anstieg in Folge. Nach drei Veränderungen in eine Richtung sprechen Volkswirte von einer möglichen Trendwende.

„Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate haben sich zwar minimal abgeschwächt, die Unternehmen blicken aber nach wie vor verhalten optimistisch in die Zukunft“, erklärte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. „Am Konjunkturhimmel zeigen sich nur wenige Wolken.“ Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit 106,1 Zählern gerechnet.

Auch die Lage wurde besser bewertet: Der entsprechende Index stieg auf 110,1 Punkte nach 109,4 Zählern im Vormonat. Einziger Wermutstropfen: Die Unternehmer schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate etwas schwächer ein. Dieses Barometer fiel auf 102,4 Zähler von 102,5 Punkten. „Möglicherweise machen sich hier Sorgen um den chinesischen Absatzmarkt bemerkbar“, sagte Volkswirt Andreas Scheuerle von der DekaBank.

Ein erneuter Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex hat den Euro am Donnerstag nur vorübergehend angetrieben. Die europäische Gemeinschaftswährung erklomm kurz nach der Datenveröffentlichung ein Tageshoch von 1,3235 Dollar, fiel aber anschließend leicht ins Minus auf 1,3184 Dollar zurück. Viele Investoren wollten sich vor der kommenden Woche nicht aus dem Fenster lehnen, wenn neue Signale zur US-Geldpolitik und Konjunkturlage anstehen, sagte Devisenexpertin Antje Praefcke von der Commerzbank. Deshalb trete der wenig überraschend ausgefallene Ifo-Index eher in den Hintergrund.

Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe sieht derzeit noch keine negativen Folgen der chinesischen Wachstumsschwäche für die deutsche Wirtschaft: „Da ist es zu früh, Alarm zu schlagen.“ Die Exporterwartungen gingen nach dem starken Anstieg im Vormonat allerdings etwas zurück. Die Firmen erwarten jedoch weiterhin Impulse vom Auslandsgeschäft. Eine anziehende Binnenkonjunktur und Hoffnungsschimmer auf ein Ende der Rezession in der Euro-Zone dürften das deutsche Wachstum im zweiten Halbjahr moderat beschleunigen, meint Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.

Die positive Stimmung in den Chefetagen passt zu den Daten, die das Markit-Institut bei seiner monatlichen Befragung von Einkaufsmanagern eingeholt hat. Dieses Barometer signalisierte eine kräftige Wachstumsbelebung und markierte den höchsten Stand seit fünf Monaten. Als Treiber wirkten die anziehende Binnennachfrage und der private Konsum. Zu Jahresbeginn hatte der lange Winter der Wirtschaft stark zugesetzt, so dass nur ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent heraussprang. „Wir bewegen uns auf einem stabilen, guten Niveau. Wir sind jetzt in einer Aufholphase“, betonte Ifo-Experte Wohlrabe. Er rechnet für das zweite Quartal mit einem Plus von 0,9 Prozent. In den beiden Folgequartalen soll sich das Wachstum dann bei 0,4 Prozent einpendeln.

Der Ifo-Index gilt als wichtigster Stimmungsindikator für die deutsche Wirtschaft. Bereits in den vergangenen zwei Monaten war der Index gestiegen. Seit längerem bewegt sich der Index auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Nach drei Veränderungen in eine Richtung sprechen Volkswirte von einer möglichen Trendwende. Der Ifo-Index wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Überprüfen Sie diese weisen Analysen doch einmal: Wenn es gut geht wird angeblich wirklich jede Hand gebraucht, auch und gerade im zuarbeitenden Billiglohn Sektor.
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    Daher: Wenden Sie sich doch an den Sklaventreiber Ihrer Wahl!!! Der liefert echte Prognosen, denn er lebt davon!
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    Bewerben Sie sich: Moderate Gehaltsvorstellungen, moderater Lebenslauf, boomende Branche, machen Sie sich etwas älter und geben Sie vor Alg. II angetrieben zu sein.
    (Also bestens zur Ausbeutung geeignet). Sollten nicht einmal diese Verleiher noch etwas von Ihnen wollen, so können Sie den Wahrheitsgehalt dieser! Prognose getrost glauben und die hier vorgesetzten Indices aus gesammelter Erfahrung belächeln.

  • Ich glaube die Unzuverlässigkeit aller Prognosen liegt daran, daß es keine funktionierenden Märkte mehr gibt. Alles hängt nur noch am Liquiditätstropf der Notenbanken. Wieviel ist in den USA auf den Markt zurückzuführen, wenn handelstäglich über 4 Milliarden Dollar frisch gedruckt und in die Märkte gepumpt werden? Dazu kommt, daß den Zentralbankern noch immer jedes Wort geglaubt wird, obwohl die FED z.B. seit mehr als 5 Jahren das baldige Ende des Gelddruckens ankündigt.
    Auf die Spitze getrieben beim letzten Mal, als 85 Milliarden pro Monat beschlossen wurden, und GLEICHZEITIG das baldige Ende angekündigt wurde.

    Und zu all dem noch dazu, der immer mächtigere parasitäre Finanzsektor, der sich seine Politiker hält, wie er es braucht mit den Medien als sein Sprachrohr.

    Es findet keinerlei sachliche und ehrliche politische Diskussion mehr statt! Alles nur noch primitivste Schlagwortdrescherei, um den immer größer werdenden anteil erfolgreich verdummter Masse ruhigzustellen, während sich die etwas Klügeren angewidert in ein Bidermeier flüchten und mit Politik nichts mehr zu tun haben wollen.

    Und wenn hie und da einem Politiker die Hutschnur platzt, dann muß er beim Autofahren, Fallschirmspringen und auf sein Herz sehr gut acht geben - falls der Wink mit dem Zaunpfahl, seitens des allwissenden Auges in form der NSA und ihrer Kollaboratuere - nicht für genügen Einschüchterung sorgt.

    Der IFO-Index, oder andere Indikatoren können da relativ wenig dafür, wenn das Regime im Endstatium angelangt ist und langsam verrottet.

  • Wenn Dir also Gutes widerfährt -
    das ist schon ein Ünzlein Goldes oder Silbers wert !

    (Sehr frei nach einer alten "Asbach Uralt"-Werbung)

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