Konjunktur
Ifo-Index fällt auf historisches Tief

Das Geschäftsklima in Deutschland hat sich im Dezember unter dem Eindruck von weltwirtschaftlicher Abkühlung und Finanzkrise weiter eingetrübt und die Stimmung in der deutschen Wirtschaft auf ein historisches Tief gedrückt. Der Ifo-Index fiel auf den niedrigsten jemals erreichten Wert seit der Wiedervereinigung.

HB BERLIN. Der Geschäftsklimaindex sank demnach im Dezember von 85,8 Zählern im Vormonat auf 82,6 Punkte, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Donnerstag mitteilte. Einen ähnlich niedrigen Wert hatte der Index in der zweiten Ölkrise Ende 1982 angenommen. Die Stimmung trübte sich damit den siebten Monat in Folge ein. Der Dax ignorierte die Ifo-Prognose zunächst und legte ein Prozent zu.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 84 Punkte gerechnet. Die 7000 befragten Firmen schätzten sowohl die Lage als auch die Aussichten schlechter ein als im Vormonat. Das Ifo-Barometer gilt als wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft.

Volkswirte reagierten einigermaßen gelassen auf die neue Prognose. „Die Zahlen stehen im Einklang mit unseren Erwartungen", sagte Wolfgang Leim von der Dresdner Bank. Er gehe für das vierte Quartal von einem Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,0 Prozent aus. Im ersten Quartal 2009 erwarte er ein Minus von 0,3 Prozent, wohingegen für das zweite Quartal schon wieder mit einem leichten Plus zu rechnen sei, und er für die zweite Jahreshälfte eine stabilere Entwicklung erwarte. "Es bleibt deswegen abzuwarten, wie stark der Pessimismus gerechtfertigt ist, der sich in den jüngsten Prognosen widerspiegelte", sagte Leim.

„Die Konjunktur dürfte sich weiter verschlechtern", meint Thorsten Polleit von Barclays Capital. Das Ifo-Geschäftsklima liefere ein weiteres Indiz dafür, dass Deutschland eine "ausgedehnte Rezession" erwarte. "Das ist nicht nur eine zyklische Anpassung, es sind weit reichende Strukturveränderungen notwendig, etwa im Automobilbau", sagte Polleit. Überdies nehme der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) zu, die Zinsen weiter abzusenken. "Auch auf die Bundesregierung steigt der Druck, Konjunkturpakete zu schnüren.“

Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Wirtschaftskrise erwartet der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, 500 000 zusätzliche Arbeitslose im kommenden Jahr. "Wir rechnen insgesamt mit etwa einer halben Million zusätzlicher Arbeitsloser bis zum Dezember 2009. Erst 2010 dürfte die Arbeitslosigkeit die Vier-Millionen-Marke überschreiten", sagte Sinn der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post".

Die Bundesagentur für Arbeit sieht gegenwärtig allerdings keine Anzeichen für einen dramatischen Stellenabbau. BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt sagte der "Berliner Zeitung", zwar sei der sprunghafte Anstieg der Ankündigungen von Kurzarbeit auffallend. Beruhigend sei dagegen, "dass derzeit offenbar keine großen Entlassungswellen anstehen", wurde er zitiert. "Es scheint, dass die Betriebe zumindest ihre Kernbelegschaft halten wollen bis die Krise vorbei ist." Alt wies darauf hin, dass sich die Situation etwas durch die demografische Entwicklung entspanne. Im kommenden Jahr drängten 130 000 Menschen weniger auf den Arbeitsmarkt.

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