Konjunktur
Ifo-Index steigt überraschend an

Das Klima in der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar zum zweiten Mal in Folge verbessert. Dies teilte das Münchener Ifo-Institut für am Dienstag im Rahmen seines monatlichen Konjunkturtests mit. Das Besondere dabei: Die im Vorfeld befragten Volkswirte hatten fast unisono mit einem Rückgang gerechnet.

HB MÜNCHEN. Trotz der weltweiten Konjunkturabkühlung hat sich die Stimmung in den deutschen Unternehmen im Februar den zweiten Monat in Folge aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte überraschend auf 104,1 Punkte von 103,4 Zählern im Januar, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag mitteilte. Die Firmen beurteilten ihre Lage deutlich besser als zu Jahresbeginn, während sie ihre Erwartungen zurückschraubten. „Insgesamt befindet sich die gewerbliche Wirtschaft in einer robusten Verfassung“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zu der Umfrage unter 7000 Unternehmen. „Die Erwartungen deuten aber weiterhin auf eine konjunkturelle Abkühlung hin.“

Die Stimmungsaufhellung ist vor allem dem Einzelhandel zu verdanken. Hier verbesserte sich das Geschäftsklima deutlich, während es sich in Industrie und Bauwirtschaft eintrübte. Das stärkt die Zuversicht, dass der private Konsum sich vom konjunkturellen Bremsklotz zum Wachstumstreiber entwickelt. „Dies macht Hoffnung, dass es im ersten Quartal einen positiven Gegeneffektauf zum schwachen privaten Konsum Ende 2007 geben könnte“, sagte Analystin Fabienne Riefer von der Postbank.

In der Umfrage beurteilten die Unternehmen ihre Lage deutlich besser als im Januar: Der Index kletterte überraschend auf 110,3 von 107,9 Punkten. Allerdings trübten sich die Erwartungen an die künftigen Geschäfte etwas stärker als erwartet ein. Dieser Teilindex sank auf 98,2 Punkte von 99,0 Punkten.

Die Konjunktur in den USA sowie in der Euro-Zone hatte sich zuletzt deutlich abgekühlt - nicht zuletzt wegen der Folgen der Hypothekenkrise. Die deutsche Wirtschaft wuchs im vierten Quartal 2007 nur noch um 0,3 Prozent. In diesem Jahr hält sie sich bislang aber besser als erwartet. „Amerika ist weit weg für deutsche Unternehmen“, sagte Ifo-Experte Hans Günter Russ zu Reuters. Die Auftragsbücher seien prall gefüllt.

Angesichts der robusten konjunkturellen Lage in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone warnte Ifo-Chef Sinn die Europäische Zentralbank (EZB) vor einer raschen Zinssenkung. Ein solcher Schritt wäre voreilig, sagte Sinn in Brüssel. Auch viele Finanzmarktexperten teilen diese Einschätzung. „Im Augenblick müssen wir keinen Konjunktureinbruch fürchten“, sagte WestLB-Analyst Jörg Lüschow. „Damit nimmt die Wahrscheinlichkeit baldiger Leitzinssenkungen der EZB ab.“

Die Aktienmärkte reagierten positiv auf die Daten. Der Leitindex Dax legte zu. Auch der Eurokurs stieg.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%