Konjunktur
Im tiefen Tal der Depression

Die deutsche Wirtschaft bricht nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft deutlich stärker ein als befürchtet, und eine Erholung ist vorerst nicht in Sicht. Bis zum Jahresende dürften 800 000 Menschen ihre Arbeitsstelle verloren haben, sagt das Institut voraus. Weiteres Indizien? Die Industrieproduktion ist in Deutschland viel stärker eingebrochen als befürchtet. Und auch die EZB hat das Jahr 2009 abgeschrieben.

BERLIN. Vor allem wegen des deutlichen Rückgangs der Exporte werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 3,7 Prozent schrumpfen. Damit senkten die Forscher ihre Prognose vom Dezember um einen Prozentpunkt. Allerdings sei in der zweiten Jahreshälfte mit einem langsameren Rückgang der Wirtschaftsleistung zu rechnen, schrieben die Experten. Eine Stabilisierung der Konjunktur erwarten sie im kommenden Jahr, ein spürbares Wachstum sogar erst zum Jahresende 2010. Die deutsche Wirtschaft dürfte in diesem Jahr wegen ihrer stärkeren Export-Abhängigkeit mehr schrumpfen als der Euro-Raum; hier sagte das IfW einen Rückgang um 3,3 Prozent voraus. Weltweit sei mit einem Minus der Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent zu rechnen - im ersten Quartal gehe das BIP wohl zum ersten Mal seit den 1930er Jahren zurück. Für 2010 sei dann wieder Wachstum in Sicht, wenn auch nur leichtes.

Für den Arbeitsmarkt in Deutschland seien die Aussichten deswegen stark eingetrübt. Im Herbst 2009 dürften weit über eine dreiviertel Million mehr Menschen ohne Stelle sein als zu Jahresanfang, sagten sie voraus. Im Jahresschnitt bedeute das einen Anstieg der Zahl der Arbeitslosen um 400 000 auf 3,6 Millionen. Im kommenden Jahr werde sich der Jobabbau fortsetzen, im Schnitt dürfte die Erwerbslosenzahl um 600 000 auf 4,3 Mio. steigen. Die Arbeitslosenquote werde auf 10,2 Prozent klettern und damit den höchsten Stand seit 2006 erreichen.

Das milliardenschwere Konjunkturpaket der Bundesregierung dürfte nach Einschätzung der Forscher in der zweiten Jahreshälfte 2009 erste Wirkungen zeigen, vor allem in der Bauwirtschaft. "Allerdings wird der Impuls, der dadurch auf die Konjunktur ausgehen wird, geringer sein als vielfach erwartet", schrieben sie. Einerseits sei es unrealistisch, dass die staatlichen Bauinvestitionen so schnell aufgestockt werden könnten wie geplant. Andererseits reichten die Kapazitäten bei den Baufirmen nicht aus, so dass mit einem deutlichen Anstieg der Baupreise zu rechnen sei. Insgesamt dürfte die Wirtschaftsleistung mit dem Konjunkturpaket um etwa 0,75 Prozent höher ausfallen als ohne.

In Deutschland ist die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe zu Jahresbeginn deutlich stärker eingebrochen als befürchtet. Im Januar sei die Gesamtproduktion preis- und saisonbereinigt um 7,5 Prozent zum Vormonat gesunken, berichtete das Wirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin. Volkswirte hatten überwiegend ein Minus von drei Prozent veranschlagt. Der Rückgang im Vormonat wurde mit 3,9 Prozent allerdings etwas schwächer als bislang mit 4,6 Prozent ausgewiesen. Im Vorjahresvergleich brach die Produktion um 22,8 Prozent ein, nachdem sie im Vormonat um 7,3 Prozent geschrumpft war.

Auch für die kommenden Monate signalisiere die anhaltende Auftragsschwäche eine stark gedämpfte Produktion, erklärte das Ministerium. Vor allem in der Industrie hat sich die Lage weiter verschlechtert. Die Erzeugung im Baugewerbe dürfte den Angaben zufolge im Januar auch durch die Witterung beeinflusst worden sein, während sich die Konsumgüterproduktion vergleichsweise gut behauptet habe. Im Industriesektor lag das Minus zu Jahresbeginn bei 8,4 Prozent, im Baugewerbe bei 7,8 Prozent. Die Hersteller von Konsumgütern verringerten ihre Produktion zum Vormonat indes nur leicht um 0,4 Prozent.

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