Konjunktur in China
Die Industrie im Reich der Mitte schwächelt

Die chinesische Industrie hat die beste Zeit hinter sich, zuletzt enttäuschte die Produktion mit stetig sinkenden Wachstumsraten. Das Reich der Mitte schrammt an den verhalten optimistischen Erwartungen vorbei.
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PekingErneute Rückschläge für die chinesische Wirtschaft: Im Januar und Februar wuchsen sowohl die Industrieproduktion als auch Einzelhandelsumsatz und Investitionen so langsam wie seit Jahren nicht mehr. Das macht ein Eingreifen der Zentralbank wahrscheinlicher.

Die Industrie steigerte ihre Produktion in den beiden ersten Monaten nur noch um 8,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, teilte das Statistikamt am Donnerstag in Peking mit. Das war das kleinste Plus seit fast fünf Jahren. Ökonomen hatten mit einem Anstieg von 9,5 Prozent gerechnet. Auch im Einzelhandel lief es schlechter. In den beiden ersten Monaten des Jahres wurde der Umsatz mit 11,8 Prozent so schwach gesteigert wie seit rund drei Jahren nicht mehr. Hier war ein Plus auf dem Dezember-Niveau von 13,6 Prozent vorausgesagt worden. Die Anlageinvestitionen - etwa in Fabriken und Maschinen - zogen statt der erwarteten 19,4 Prozent nur noch um 17,9 Prozent an.

„Möglicherweise braut sich da ein Sturm zusammen“, sagte Analyst Gao Yuan vom Wertpapierhaus Haitong Securities. „Die Zahlen waren sehr enttäuschend.“ Sie signalisierten ein Wirtschaftwachstum von 7,0 Prozent im ersten Quartal, sagte Ökonom Hao Zhou von der Bank ANZ in Shanghai: „Eine Lockerung der Geldpolitik rückt damit näher“. Damit könnte die Zentralbank einer Konjunkturabkühlung begegnen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters könnte sie den Geschäftsbanken erlauben, weniger Geld bei ihr als Sicherheit zu hinterlegen. Die so frei werdenden Mittel könnten als Kredite von Investitionen und Konsum in die Wirtschaft gepumpt werden.

Die Regierung signalisierte, auch ein etwas geringeres Wachstum zu tolerieren. „Unser Wachstumsziel liegt bei 7,5 Prozent“, sagte Ministerpräsident Li Keqiang auf einer Pressekonferenz am Abschlusstag des Volkskongresses. „'Bei' bedeutet, dass es hier Flexibilität gibt und wir etwas Spielraum haben.“ 2013 war die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt um 7,7 Prozent gewachsen und hat dabei 13 Millionen neue Jobs geschaffen. In diesem Jahr sollen zehn Millionen neue Arbeitsplätze hinzukommen, was nach den Worten von Li ein Wachstum von mindestens 7,2 Prozent erfordert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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