Konjunktur
Industrie: Ende der Durststrecke in Sicht

Nach langer Durststrecke haben die Industriefirmen der Euro-Zone ihre Rückkehr zu Wachstum wieder dicht vor Augen. Der Einkaufsmanager-Index des Londoner Markit-Instituts stieg im August zum Vormonat endgültig um 1,9 auf 48,2 Zähler. Die Geschäfte schrumpfen damit zwar noch leicht, doch die Wachstumsschwelle von 50 Punkten ist in greifbare Nähe gerückt.
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HB BERLIN. Dies gilt auch für Deutschland: Das Markit-Barometer stieg auf 49,2 Punkte nach 45,7 Zählern im Juli und damit stärker als in einer ersten Schätzung angenommen. Besonders der erste Produktionsanstieg seit 15 Monaten in der Euro-Zone gibt Anlass zu Hoffnung.

„Die Hersteller von Investitionsgütern und Zwischenprodukten sind schon im Wachstumsbereich, der Konsumbereich steht vor der Stabilisierung“, sagte Markit-Experte Rob Dobson am Dienstag. In Deutschland und Frankreich legte der Ausstoß am stärksten zu. Die französische Industrie hat zudem als erstes Land in der Euro-Zone nach langer Rezession den Sprung über die Wachstumsmarke geschafft.

Die beiden Schwergewichte in der 16 Staaten umfassenden Euro-Zone entwickelten sich mit ihrer wiedergewonnenen Stärke zum Schrittmacher der Erholung, betonte Dobson. Deutschland und Frankreich hatten im Frühjahr im Gleichschritt die Rezession hinter sich gelassen und ihre Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent gesteigert. In Irland und Spanien schrumpft die Industrieproduktion dagegen weiter, wie aus den Markit-Daten hervorgeht. In Italien verschärfte sich der Rückgang sogar. „Somit stellt sich das Bild in der Eurozone zwar nicht uneingeschränkt positiv dar, doch ist die Entwicklung in Deutschland erfreulich“, meint Ökonomin Fabienne Riefer von der Postbank. Mit Blick auf die zuletzt starken Auftragsdaten der deutschen Industrie sei für das dritte Quartal mit einer spürbaren Produktionssteigerung zu rechnen.

Erstmals seit März zog auch der Auftragseingang der Industriefirmen der Euro-Zone wieder an. Die eingehenden Orders legten so stark zu wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Entgegen der ersten Schätzung stabilisierten sich auch die Aufträge aus dem Ausland, die zunächst als leicht fallend eingestuft worden waren.

Besonders die Industriefirmen des Exportweltmeisters Deutschland konnten sich über eine sprunghaft steigende Nachfrage aus dem Ausland freuen: Die Aufträge zogen so stark an wie seit 17 Monaten nicht mehr. Die Industrie setzt jedoch in der noch nicht überwundenen Krise weiter den Rotstift beim Personal an: In allen Staaten der Euro-Zone wurde Beschäftigung abgebaut. Allerdings war das Tempo des Jobabbaus so langsam wie seit Oktober nicht mehr.

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