Konjunktur
Industrieproduktion zieht überraschend stark an

Neues Hoffnungszeichen für die nach der langen Talfahrt gebeutelte deutsche Wirtschaft: Die Produktion des verarbeitenden Gewerbes hat im Mai deutlich stärker als erwartet angezogen.

HB BERLIN. Auf Monatssicht sei die Gesamtproduktion preis- und saisonbereinigt um 3,7 Prozent gestiegen, teilte das Wirtschaftsministerium am Mittwoch in Berlin mit. Das ist das kräftigste Plus im Monatsvergleich seit 1993. Im Vormonat war sie noch um 2,6 Prozent geschrumpft. "Die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe dürfte die Talsohle durchschritten haben", bilanzierte das Ministerium. Die stärksten Impulse kämen dabei aus der Herstellung von Autos und Autoteilen. Aber auch in anderen industriellen Bereichen habe sich die Abwärtsdynamik abgeschwächt oder es seien schon Zuwächse zu verzeichnen.

"Angesichts der gefestigteren Auftragslage haben sich die Aussichten für eine positive Entwicklung der Industrieproduktion verbessert." Am Dienstag hatte das Ministerium einen überraschend starken Auftragsanstieg für Mai vermeldet.

Positive Impulse erhielt die Gesamtproduktion im Mai vor allem aus dem Industriesektor, wo der Ausstoß um 5,1 Prozent zulegte. Besonders stark war der Zuwachs mit 8,3 Prozent bei den Herstellern von Investitionsgütern und mit 4,3 Prozent bei den Vorleistungsgütern. Die Produktion von Konsumgütern legte vergleichsweise moderat um 0,6 Prozent zu. Im Baugewerbe und Energiesektor sank die Produktion im Gegensatz zum Industriebereich um 3,2 beziehungsweise 3,8 Prozent.

Im Zweimonatsvergleich (April/Mai gegenüber Februar/März) schwächte sich die Gesamtproduktion jedoch weiter ab. In dieser Abgrenzung lag das Minus bei 0,7 Prozent. Auf Jahressicht lag der Rückgang im Zweimonatsvergleich bei 20,1 Prozent. Die Industrieproduktion fiel um 21,9 Prozent, während die Erzeugung im Bauhauptgewerbe um 3,3 Prozent zulegte.

Tags zuvor hatte das Ministerium gemeldet, dass auch die Auftragseingänge in der Industrie sich im Mai gegenüber dem Vormonat überraschend stark um 4,4 Prozent erhöht haben. Es war der höchste Anstieg im Monatsvergleich seit fast zwei Jahren.

Die Agentur Reuters hat Analysten zu den guten Zahlen befragt.Timo Klein von Global Insight: "Die Zahlen sind überraschend stark ausgefallen. Dennoch besteht kein Grund zur Euphorie." Der Konjunktureinbruch zu Jahresbeginn sei einfach zu stark gewesen. Klein rechnet erst im Laufe des Dritten Quartals mit einem leichtem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts. Konjunkturelle Rückschläge im Jahresverlauf seien zudem nicht auszuschließen, die Erholung wird nur allmählich erfolgen. "Das Niveau der Produktion vom August 2008 werden wir wohl nicht vor Ende 2010 oder sogar erst im Jahr 2011 erreichen."

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