Konjunktur
IWF macht der Weltwirtschaft Hoffnung

Die Weltwirtschaft wird die Krise laut IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wohl schneller hinter sich lassen als bislang erwartet. Nach der Europäischen Zentralbank (EZB) will daher nun auch der Fonds seine Konjunktur-Projektionen anheben.
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HB MAILAND/MADRID. „Wir haben seit einem Jahr prognostiziert, dass die Erholung in der ersten Jahreshälfte 2010 kommen wird. Sie könnte auch ein Quartal früher kommen, was gut wäre“, sagte Strauss-Kahn der italienischen Zeitung „Il Sole 24 Ore“ vom Dienstag. Es zeige sich bereits Licht am Ende des Tunnels. „Wir sind aber noch in der Krise“, fügte der IWF-Chef hinzu.

Der IWF will noch diese Woche seine aktualisierte Prognose vorlegen. Reuters-Informationen zufolge hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Vorhersage für die größten Industrieländer und die Weltwirtschaft nach oben korrigiert. Demnach wird die globale Wirtschaft nach einem prognostizierten Minus von 1,3 Prozent im laufenden Jahr 2010 wieder um 2,9 Prozent zulegen.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hatte jüngst ihre Konjunktur-Projektionen für 2009 und 2010 leicht angehoben. EZB-Direktoriumsmitglied Manuel Gonzalez-Paramo warnte die Märkte unterdessen davor, auf solche positiven Signale zu euphorisch zu reagieren. „Exzesse sind immer schlecht, einerlei ob sie von Pessimismus oder Optimismus getragen sind“, mahnte der Spanier in der Wirtschaftszeitung „Expansion“.

Eine Überreaktion der Märkte könne zudem die Tatsache in den Hintergrund drängen, dass die Regierungen noch eine Reformagenda zu bewältigen hätten. „Wenn diese Reformen nicht umgesetzt werden, werden wir nicht zu einem Pfad nachhaltigen Wachstums zurückkehren“, sagte Gonzalez-Paramo. EZB-Spitzenbanker warnen immer wieder vor den dramatischen Folgen ausufernder Staatsdefizite und fordern einen raschen Schuldenabbau nach der Krise.

Auch die Chefs der Deutschen Bank und des Bankhauses HSBC machen Hoffnung auf ein Ende der Finanzkrise. Sie warnten jedoch zugleich vor zu viel Euphorie. Die Branche müsse weiterhin ihre Lehren aus dem Beinahe-Kollaps des Systems ziehen, erklärten sie am Dienstag in Frankfurt bei der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“.

Nach Einschätzung von Privatbankier Friedrich von Metzler zieht die Branche auch ohne Eingriffe von Regulierungsbehörden Lehren aus der Krise. Grundsätzlich habe in der Bankenbranche keine falsche Kultur geherrscht, sagte der Partner des Frankfurter Bankhauses Metzler. „Es gab nicht überall Unmoral. Doch es gab Exzesse. Die gibt es immer wieder in spekulativen Zeiten.“ Kurzfristige Bonuszahlungen werde es in Zukunft nicht mehr in der Form geben. Der Staat solle deshalb nicht in das Geschehen der Branche eingreifen.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht das Gröbste der Finanzkrise für die Branche überstanden. „Ich sehe für die Finanzmärkte ein Licht am Ende des Tunnels“, sagte er. Er erinnerte jedoch auch selbst daran, dass er das Gleiche bereits bei der „Handelsblatt“-Tagung vor einem Jahr gesagt hatte und eine Woche später die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach. Gewisse Dinge könne man nicht voraussehen, sagte er.

Die zu den weltweit größten Banken zählende HSBC sieht ermutigende Signale für die Branche und die Weltwirtschaft, warnte aber auch vor zu viel Euphorie. „Das Finanzsystem hat sich stabilisiert“, sagte HSBC-Aufsichtsratschef Stephen Green. „Obwohl ich nicht glaube, dass wir über dem Damm sind, machen uns die Signale Mut.“

Ackermann forderte von Regierungen und Aufsichtsbehörden deutlich schärfere Kapitalauflagen für Banken. Die Kernkapitalquote der Banken sollte bei mindestens acht Prozent liegen, sagte er. Derzeit liegt die Vorgabe der Aufsicht bei vier Prozent. Die Deutsche Bank hatte zuletzt eine Kernkapitalquote von mehr als elf Prozent.

In der Krise fallen die europäischen Banken nach Einschätzung von Ackermann hinter die amerikanischen zurück. „Die amerikanischen Banken werden meines Erachtens gestärkt aus der Krise herausgehen“, sagte er. In Europa seien dagegen die schwachen Banken vom Staat gestützt worden: „Wir sind eigentlich heute da, wo wir vor der Krise waren.“ Letztlich seien die europäischen Banken künftig mit größeren und stärkeren Banken konfrontiert.

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