Konjunktur
IWF und EZB uneins über Zinspolitik

Wie sollen die Notenbanken auf die schwerste Rezession seit Jahrzehnten reagieren? Bei den Leitzinsen haben die meisten bereits ihre Möglichkeiten ausgeschöpft. Der IWF sieht das anders und rät der EZB den bereits rekordtiefen Leitzins weiter zu senken. Doch diese extrem laxe Geldpolitik wollen die Notenbanker nicht weiter mitmachen.
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HB LINZ/LUXEMBURG. Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte an, ihre Niedrigzinspolitik bei einer konjunkturellen Trendwende schnell zu den Akten zu legen und den Leitzins wieder zu erhöhen. „Der sehr konjunkturstimulierende geldpolitische Ansatz, den wir derzeit fahren, wird revidiert werden, wenn die Wirtschaft wieder Tritt fasst und Inflationsgefahr droht“, sagte EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark. Derzeit gebe es einige Hinweise darauf, dass sich der schwere Konjunkturabschwung dem Ende nähere. „Die Wirtschaft befindet sich nicht mehr im freien Fall“, sagte Stark. Ab Mitte kommenden Jahres seien wenigstens auf Quartalsbasis wieder positive Wachstumsraten möglich.

Das Zinsniveau in der Eurozone sei derzeit auch bei einer erwarteten Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt angemessen, fügte Stark hinzu. Er wolle nicht darüber spekulieren, was die EZB zu weiteren Senkungen oder einer Erhöhung der Leitzinsen veranlassen könnte.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) empfahl der EZB dagegen ein weiteres Absenken des bereits rekordtiefen Leitzinses. Die Vorteile weiterer Zinssenkungen müssten gegen schädliche Effekte auf die Geldmärkte abgewogen werden, heißt es in dem am Montag veröffentlichten IWF-Bericht zur Euro-Zone. „Aber es wäre sinnvoll, den Spielraum für weitere Senkungen so schnell wie möglich zu untersuchen.“ Die Geldpolitik müsse weiterhin die Konjunktur stimulieren. Der IWF warnte, es könne in der Euro-Zone zu einer anhaltenden Deflation kommen.

Die EZB hat ihren Leitzins wegen der schwersten Rezession seit Jahrzehnten bis auf rekordniedrige ein Prozent gesenkt. Sie pumpt darüber hinaus Mrd. in das Finanzsystem, um eine Kreditklemme zu verhindern. Ab Juli will sie zudem Pfandbriefe kaufen, um die Refinanzierung der Banken weiter zu verbessern. Stark sagte, die EZB sei darauf vorbereitet, diese Krisenmaßnahmen zurückzunehmen, sobald sich die Konjunktur fange. Dies gelte sowohl für die eingeleiteten unorthodoxen geldpolitischen Maßnahmen als auch für die massiven Liquiditätsspritzen.

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