Konjunktur
Japan überrascht mit alternativer Geldpolitik

Die japanische Zentralbank hat den Leitzins unverändert bei 0,1 Prozent belassen. Die Notenbanker setzen auf andere Instrumente, um den den Geldmarkt mit Liquidität zu versorgen und einen Anstieg langfristiger Zinsen zu verhindern.

HB TOKIO. Die japanische Notenbank überraschte mit ihrer Aufstockung der Mittel zum Kauf von Anleihen um 29 Prozent auf nun 219 Mrd. Euro allerdings. Wie die Währungshüter am Mittwoch mitteilten, sollten mit dem Schritt die Märkte beruhigt werden. Die Börse in Tokio nahm die Ankündigung positiv auf. Marktteilnehmer erhofften sich davon eine Stabilisierung der Finanzmärkte. Der Nikkei-Index schloß auf seinem höchsten Stand seit fünf Wochen.

Die Steigerung des Anleihenkaufs um knapp ein Drittel fiel stärker aus als von Analysten erwartet. Auch der Zeitpunkt der Ankündigung kam für viele Experten überraschend früh. „Die Regierung denkt über hohe Ausgaben zur Stützung der Wirtschaft nach. Die Entscheidung der BOJ kann als effektive Vergeldlichung von Regierungsschulden interpretiert werden, obwohl die Notenbank dies niemals so sagen würde, da sie von der Regierung unabhängig ist“, sagte Junko Nishioka, Chef-Volkswirt für Japan bei RBS. „Die heutige Mitteilung zeigt, dass die BOJ mehr als der Markt erwartet tut, um den Geldmarkt zu lockern.“

Die Notenbank hatte bereits am Dienstag beschlossen, bis zu 10,2 Mrd. Dollar bereitzustellen, um Banken nachrangige Verbindlichkeiten abzukaufen. Dadurch sollen die Banken ermuntert werden, angesichts der Rezession Firmen mit Krediten zu versorgen. Einige Analysten gingen aber davon aus, dass dies nicht ausreicht, um die in der Finanzkrise stark angegriffene Kapitaldecke der Institute zu stützen.

Die Zentralbank der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt sieht sich gedrängt, zu ungewöhnlichen Maßnahmen gegen die Krise zu greifen, da sie mit konventionellen geldpolitischen Maßnahmen angesichts bereits extrem niedriger Zinsen kaum noch arbeiten kann.

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