Konjunktur
Japanische Exporte brechen drastisch ein

Japans Exportindustrie hat noch erheblich mit der globalen Wirtschaftskrise zu kämpfen. Jüngste Daten zeigen, dass der Außenhandel von einer Erholung noch weit entfernt ist. Die Exporte brachen im August im Vergleich zum Vorjahresmonat um 36 Prozent ein.
  • 0

HB TOKIO. Der Aufschwung in Japans Exportwirtschaft verliert an Kraft. Binnen Monatsfrist setzten die Firmen im August saisonbereinigt 0,7 Prozent weniger Waren im Ausland ab, wie das Finanzministerium in Tokio am Donnerstag mitteilte. Experten befürchten nun eine schleppende Erholung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt und schätzen die Aussichten für die Produktion düster ein.

Verglichen mit dem Vorjahr brachen die Ausfuhren um 36 Prozent ein und damit kaum weniger stark als im Juli. „Japan nimmt kaum Anteil an der Erholung der Exporte in Asien“, sagte Simon Wong von Standard Chartered. Hinzu komme, dass die japanischen Konzerne an Wettbewerbsfähigkeit verlören. Zugleich schwächelt der Binnenmarkt immer noch: Die Importe sanken um 41,3 Prozent verglichen mit August 2008. Derzeit versuche die Regierung in Tokio, die Konjunkturstützen verstärkt auf den Konsum zu richten - „das ist das Richtige“, sagte Wong.

Vor allem das Geschäft mit Kunden in Asien läuft schwächer als im Juli. Die Exporte nach China brachen mit 27,6 Prozent sogar noch stärker auf Jahressicht ein als im Vormonat. Das spiegelt eine schwache Nachfrage nach Stahlprodukten und Elektronikteilen wieder. Bessere Nachrichten kamen dagegen vom USA-Geschäft: Hier gingen die Exporte weniger stark zurück als im Juli. „Bis jetzt hat sich die Erholung auf Asien konzentriert, aber jetzt kommen die USA wieder ins Spiel“, sagte Takumi Tsunoda vom Forschungsinstitut Shinkin. Zum Jahresende sei mit einer weiteren Belebung zu rechnen, wenn die Konjunktur in den USA und in Europa weiter anziehe. Experten erwarten schon im dritten Quartal eine spürbare Konjunkturbelebung. In den USA sagen sie sogar ein Wachstum von drei Prozent aufs Jahr hochgerechnet voraus.

Verglichen mit dem Jahresauftakt hat sich die Lage deutlich entspannt: Noch im Februar brachen die Exporte binnen Jahresfrist um fast die Hälfte ein. Eine kräftige Erholung der Industrie hatte Japan im Frühjahr aus der schwersten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg verholfen. Erst vergangene Woche hat die japanische Notenbank ihre Einschätzung der Wirtschaft angehoben; die Bank von Japan erwartet nun eine moderate Belebung Anfang kommenden Jahres.

Kommentare zu " Konjunktur: Japanische Exporte brechen drastisch ein"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%