Konjunktur
Japanische Industrie legt überraschend zu

Fortschritte am Arbeitsmarkt und steigende Industrieproduktion gehören zu den positiven Konjunkturmeldungen aus Japan. Die Inflation ist laut Notenbank jedoch zu gering. Der Konsum privater Haushalte fiel auch.
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TokioGemischte Konjunktursignale aus Japan: In der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt gab es im Oktober zwar Fortschritte am Arbeitsmarkt und eine überraschend steigende Industrieproduktion, dafür ist die Inflation aber noch immer zu gering für den Geschmack der Notenbank und die Ausgaben der privaten Haushalte fielen erneut deutlich.

Das Land war zuletzt nach einer umstrittenen Mehrwertsteuererhöhung in die Rezession gerutscht. Ministerpräsident Shinzo Abe hat für Mitte Dezember Wahlen angesetzt, um Rückhalt für seinen wirtschaftspolitischen Kurs zu bekommen.

Nach Regierungsangaben vom Freitag kletterte die Industrieproduktion im Oktober um 0,2 Prozent. Es war der zweite Anstieg in Folge, er fiel allerdings deutlich geringer aus als im September. Die Arbeitslosenquote sank zudem um 0,1 Punkte auf 3,5 Prozent.

Dafür gingen die Ausgaben der privaten Haushalte im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent zurück. Der Konsum ist also weiter schwach, obwohl Ökonomen mit einem noch stärkeren Minus gerechnet hatten. Klammert man die Effekte der jüngsten Steuererhöhung aus, stiegen die Verbraucherpreise zudem nur um 0,9 Prozent. Das Ziel der Zentralbank liegt bei zwei Prozent. Der niedrigere Ölpreis verlangsamt die Teuerungsrate.

Japan hat viele Jahre unter einer Deflation gelitten, also fallenden Preisen. Konsumenten halten sich dann stark zurück, weil sie erwarten, Produkte bald noch günstiger zu bekommen. Unternehmen schieben zudem Investitionen auf die lange Bank und stellen weniger ein. Die Deflation zu bekämpfen, hat seitdem Priorität in Japan.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • "Japan hat viele Jahre unter einer Deflation gelitten", meint das Handelsblatt. Unternehmen würden dann Investitionen auf die lange Bank schieben und weniger Arbeitnehmer einstellen.

    So lautet das weit verbreitete Märchen, welches nun schon vom Handelsblatt erzählt wird.

    Tatsächlich liegt die japanische Arbeitslosigkeit bei 3,5%, und die japanischen Konsumenten haben sicher nicht gelitten und sich in Verzicht geübt. Der Rückgang des Konsums erfolgte nachdem die Mehrwertsteuer angehoben und die Inflation angeheizt wurde.

    Unter der Deflation leiden vor allem die Banken, weil sich negative Sparzinsen schwer durchsetzen lassen und Kredite teuer werden lässt. Das drückt auf die Marge, und ist schlecht fürs Geschäft.

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