Konjunktur
Japans Arbeitslosigkeit sinkt überraschend

Die Arbeitslosigkeit in Japan ist im August überraschend gesunken. Die Verbraucher steigerten zugleich ihre Ausgaben so stark wie seit langem nicht mehr. Dennoch gilt die künftige Entwicklung unter Experten als kritisch.
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HB TOKIO. Japans Arbeitslosenquote ging bereinigt um saisonale Effekte auf 5,5 Prozent zurück, nachdem sie im Juli noch ein Rekordhoch bei 5,7 Prozent erreicht hatte, wie das japanische Statistikamt am Freitag mitteilte. Allerdings verharrte die Zahl der offenen Stellen auf ihrem Tief. Analysten sind sich deswegen unsicher, ob die Trendwende am Arbeitsmarkt bereits eingeleitet ist. „Die Aussichten sind trübe“, sagte Hiroshi Watanabe vom Analysehaus Daiwa. Eine Umfrage der Bank von Japan habe ergeben, dass die Firmen immer noch unter Überkapazitäten litten. Zudem lasse der Einfluss der Konjunkturstützen nach.

Die Firmen im Gesundheitsbereich stellten neue Mitarbeiter ein, und im Bausektor sowie bei den Dienstleistern wurden weniger Arbeitsplätze gestrichen als im Vormonat. Doch neue Jobs sind immer noch Mangelware: Für jeweils zehn Arbeitsuchende sind derzeit nur vier Stellen offen, das Verhältnis ist damit so schlecht wie nie seit Beginn der Datenerhebung 1963. Die Regierung kündigte weitere Hilfsprogramme an, sollte sich die Lage am Arbeitsmarkt weiter verschlechtern.

Zugleich stiegen die Ausgaben der privaten Haushalte im August so stark wie lange nicht mehr. Der Konsum stieg um Preisveränderungen bereinigt um 2,6 Prozent, während Analysten mit einem Rückgang um 0,2 Prozent gerechnet hatten. Das ist der höchste Anstieg seit Januar 2008. Dabei spiele auch der massive Preisverfall in Japan eine Rolle, sagte ein Regierungsvertreter. Die Verbraucherpreise sinken derzeit kräftig. Ohne Berücksichtigung der Preisveränderungen gaben die Verbraucher 0,1 Prozent weniger aus.

Der private Verbrauch profitiert derzeit von staatlicher Unterstützung beim Kauf von sparsamen Autos und energiesparenden Elektrogeräten. Analysten befürchten aber, dass der Konsum stagniert, wenn diese Programme auslaufen. Die steigende Arbeitslosigkeit und fallende Einkommen würden dann auf den Verbrauch drücken.

Japan hat sich im Frühjahr aus der schwersten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg befreit. Experten erwarten aber keine schnelle Erholung.

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