Konjunktur
Japans Exportmotor bringt Industrie auf Trab

In Japan mehren sich die Anzeichen einer langsamen Erholung von der schwersten Rezession der Nachkriegszeit. Angesichts des wieder anspringenden Exportmotors stieg die Produktion in der zweitgrößten Volkswirtschaft im April zum Vormonat um bereinigt 5,2 Prozent und damit so stark wie seit fast 60 Jahren nicht, wie das Handelsministerium am Freitag bekanntgab.

HB TOKIO. Auch für die folgenden Monate wird mit weiteren Produktionssteigerungen der Industrie von 8,8 Prozent im Mai und 2,7 Prozent im Juni gerechnet. Große Sorgen bereitet dem binnenwirtschaftlich schwachen Inselreich jedoch die im Berichtsmonat rasant auf 5,0 Prozent gestiegene Arbeitslosenquote.

Nach einem Rekordeinbruch der wirtschaftlichen Leistung des Landes im ersten Kalenderquartal von 15,2 Prozent gaben sowohl die japanische Notenbank als auch die Regierung dieser Tage wieder einen zuversichtlicheren Ausblick für die konjunkturelle Entwicklung ab. Angesichts gewaltiger staatlicher Konjunkturspritzen in aller Welt bessert sich für Japan, das wesentlich vom Export abhängig ist, allmählich die Lage auf den Absatzmärkten in Übersee.

Vor diesem Hintergrund füllen die Unternehmen langsam wieder ihre Lager, deren Bestände sie während des dramatischen Exporteinbruchs aggressiv abbauten. Im April stiegen die Ausfuhren zum Vormonat um 1,9 Prozent und damit im zweiten Monat in Folge. Es gebe inzwischen Anzeichen für eine leichte Besserung der Lage, sagte kürzlich der japanische Finanzminister Kaoru Yosano. Zugleich warnte er jedoch vor weiteren Risiken für die Wirtschaft und verwies auf die zunehmend harsche Arbeitsmarktsituation. Die Arbeitslosenquote stieg im April auf 5,0 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit über fünf Jahren.

Als Folge beispielloser Massenentlassungen der Industrie schnellte die Zahl der offiziell als arbeitslos registrierten Menschen gegenüber dem Vorjahresmonat um die Rekordzahl von 710 000 oder 25,8 Prozent auf 3,46 Millionen. Damit stieg die Arbeitslosenzahl im nunmehr sechsten Monat in Folge. Auf 100 Jobsuchende kamen in dem Berichtsmonat nur noch 46 Stellen, so wenige wie seit rund einem Jahrzehnt nicht mehr.

Die schwere Rezession hatte die Nachfrage nach japanischen Autos und Elektronik im Ausland derart einbrechen lassen, dass Japans Unternehmen nicht mehr so viele Arbeiter benötigen. Die Produktion zieht zwar an, liegt aber weiter deutlich unter dem Vorjahresniveau. Angesichts der jetzt spürbar steigenden Arbeitslosigkeit können die Haushalte, deren private Ausgaben rund 55 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes ausmachen, jedoch kaum dazu beitragen, die Wirtschaft anzukurbeln.

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