Konjunktur
Japans Wirtschaft steuert auf Erholung zu

In Japan mehren sich die Hoffnungszeichen auf ein Ende der wirtschaftlichen Talfahrt. Zahlreiche Konjunkturindikatoren fielen recht positiv aus. „Die erste Reaktion auf die Krise scheint vorüber “, sagte ein Ökonom.

HB TOKIO. Die Stimmung in der Dienstleistungsbranche verbesserte sich im Mai auf ein 12-Monatshoch, wie eine am Montag veröffentlichte Umfrage der Regierung ergab. Das Vertrauen in die wirtschaftliche Lage stieg demnach um 2,5 auf 36,7 Zähler. So hoch hat das viel beachtete Stimmungsbarometer seit März 2008 nicht mehr tendiert. Die Regierung, die die Umfrage seit Anfang des Jahrzehnts erhebt, sprach von Anzeichen einer Stabilisierung der Wirtschaft. Auch bei den Unternehmen entspannte sich die Lage etwas: Erstmals seit einem Jahr ging die Zahl der Firmenpleiten im Mai zurück.

Die Zahl der Insolvenzen verringerte sich im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,7 Prozent, wie das Institut Tokyo Shoko Research ermittelte. Die Forscher führen die Stabilisierung unter anderem auf die Maßnahmen der Regierung zurück, die im Herbst ein Notkredit-Programm für kleine und mittlere Betriebe aufgelegt hat. Zugleich warnte das Institut vor einer wieder steigenden Zahl von Pleiten ab Sommer, falls die Banken künftig nicht großzügiger Kredite vergeben sollten.

Im Mai wuchs die Kreditvergabe in Japan so schwach wie seit sieben Monaten nicht mehr. Allerdings führen Experten dies teilweise auf eine Nachfrageschwäche zurück, da viele Firmen wegen der trüben wirtschaftlichen Aussichten auf Investitionen verzichten. Zudem können sich die Unternehmen mittlerweile wieder leichter frisches Geld an den Kapitalmärkten besorgen. Sie sind damit bei der Refinanzierung weniger stark auf die Banken angewiesen.

„Die erste Reaktion auf die Krise scheint vorüber. Doch die Firmen-Umsätze dürften das Niveau von vor der Lehman-Pleite wohl vorerst nicht mehr erreichen“, meint Ökonom Yoshimasa Maruyama vom Handelshaus Itochu Corp. Die stark exportabhängige Wirtschaft des fernöstlichen Landes war Anfang des Jahres im Rekordtempo eingebrochen: Das Bruttoinlandsprodukt fiel von Januar bis März um vier Prozent und damit so stark wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen vor rund 50 Jahren.

Der Leistungsbilanzüberschuss in Japan sank indes im April überraschend deutlich. Der Überschuss sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 54,5 Prozent auf 630,5 Milliarden Yen, umgerechnet rund 4,6 Milliarden Euro, zurückgegangen, teilte die Regierung mit. Ökonomen hatten für die zweitgrößte Volkswirtschaft mit einem Überschuss in Höhe von 846,6 Milliarden Yen gerechnet. Der Exporteinbruch in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise schwächte sich im April nur leicht ab. Die Exporte sanken noch um 40,6 Prozent nach 46,5 Prozent im Vormonat. Bei den Importen ergab sich im April ein Rückgang um 37,8 Prozent.

Der heftige Exporteinbruch und der Höhenflug des Yen hatten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt im Januar erstmals seit 13 Jahren ein Defizit in der Leistungsbilanz gebracht. Die Leistungsbilanz setzt sich aus dem Handel mit Waren und Dienstleistungen sowie den Einnahmen aus Investitionen und anderen Kapitaltransfers zusammen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%