Konjunktur
Japans Wirtschaft stürzt ab

Die Wirtschaft in Japan ist zum Jahreswechsel weit stärker eingebrochen als in Europa oder den USA. Japan stehe in der „schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegsära“, sagte Wirtschaftsminister Kaoru Yosano. Der Rückgang um 12,7 Prozent ist der größte Einbruch seit der Ölkrise von 1974.

HB TOKIO. Die exportabhängige japanische Wirtschaft leidet stärker als andere Industrieländer unter dem weltweiten Nachfrageeinbruch. Das Bruttoinlandsprodukt sank von Oktober bis Dezember um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie die Regierung am Montag in Tokio mitteilte. Das war der stärkste Rückgang seit der ersten Ölkrise 1974 und der dritte in Folge. „Es gibt keinen Zweifel, dass wir in der schwersten Rezession seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stecken“, sagte Wirtschaftsminister Kaoru Yosano.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt steckt damit tiefer in der Rezession als die anderen Industrieländer. Im Euro-Raum ging das Bruttoinlandsprodukt am Jahresende um 1,5 Prozent zurück, in den USA um knapp ein Prozent. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr schrumpfte die japanische Wirtschaft um 12,7 Prozent und damit drei Mal so stark wie die der USA.

Ursache ist der Einbruch bei den Ausfuhren. Sie sanken um fast 14 Prozent. Exportschlager wie Autos und Elektronikprodukte stapeln sich in den Lagern von Konzernen wie Toyota und Panasonic. Experten sagen deshalb für das laufende erste Quartal einen erneuten Einbruch voraus, da die Exporteure zunächst ihre Lager leeren wollen und die Produktion deshalb stark gedrosselt haben. „Aber die Krise hat inzwischen auch den privaten Verbrauch und die Investitionstätigkeit erfasst“, sagte Commerzbank-Analyst Christoph Weil. „Kurzfristig ist keine Besserung zu erwarten.“

Die Hoffnungen der japanischen Exporteure ruhen darauf, dass die weltweiten Konjunkturprogramme die Nachfrage beleben. Allein die USA haben ein Maßnahmepaket in Höhe von rund 614 Mrd. Euro auf den Weg gebracht, Deutschland will die Wirtschaft mit 50 Mrd. Euro wieder in Schwung bringen. Auch die Regierung in Tokio plant Medienberichten zufolge ein neues Hilfspaket. Demnach seien konjunkturstützende Maßnahmen in Höhe von umgerechnet bis 169 Mrd. Euro geplant, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Kreise. Von der Regierung kam noch keine Bestätigung dafür. Bislang sind Maßnahmen von rund 100 Mrd. Euro geplant.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%