Konjunktur
Jobmisere in den USA immer bedrohlicher

Der Stellenabbau in den USA hat sich im März unerwartet beschleunigt. Die Zahl der Jobs in der Privatwirtschaft sank um 742 000, so die aktuelle Umfrage der privaten Arbeitsagentur ADP. Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2001. Vor diesem Hintergrund meldet die Ratingagentur Moody's eine Rekordzahl von US-Bürgern, die ihre Kredite für Konsumausgaben nicht mehr zurückzahlen.

HB NEW YORK. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem Minus von 655 000 gerechnet und sprachen von katastrophalen Zahlen. „Es zeigt, dass der Arbeitsmarkt weiter sehr fragil ist und dass die Aussichten trostlos sind“, sagte Samarjit Shankar von der Bank of New York Mellon.

Im Februar fiel die Bilanz zudem etwas schlechter aus als zunächst ermittelt. Die Zahl der abgebauten Stellen wurde auf 706 000 revidiert, nachdem zunächst von einem Minus von 697 000 die Rede war. Die Daten werfen einen dunklen Schatten auf die offiziellen Arbeitsmarkt-Zahlen voraus, die am Freitag veröffentlicht werden.

Fachleute gingen bisher davon aus, dass im März rund 650 000 Jobs in den USA verloren gingen. Nach der ADP-Umfrage dürfte der Pessimismus zunehmen. Der Jobabbau im März dürfte sich zudem für einige Monate fortsetzen, sagte Joel Prakken, Chef von Macroeconomic Advisers, die den Arbeitsmarktbericht zusammen mit ADP vorlegen.

Vor diesem Hintergrund meldet die Ratingagentur Moody's eine Rekordzahl von US-Bürgern, die ihre Kredite für Konsumausgaben nicht mehr zurückzahlen. Wie die Agentur mitteilte, waren die Abschreibungen bei den Anbietern von Kreditkarten im Februar so hoch wie seit mindestens 20 Jahren nicht mehr. Grund sei vor allem die steigende Arbeitslosigkeit. Nach Angaben des US-Bankenverbands (ABA) stieg bereits am Jahresende 2008 die Zahl der ausfallenden Verbraucherkredite auf ein Rekordhoch.

Die Ausfälle bei Kreditkarten erhöhten sich Moody's zufolge im Februar den sechsten Monat in Folge auf jetzt 8,82 Prozent. Ende 2009 könne die Zahl zweistellig sein, erklärte Moody's. Die wirtschaftliche Lage werde sich weiter verschlechtern, die Arbeitslosenquote die Marke von zehn Prozent erreichen. Damit werde wohl auch der Anteil säumiger Kredite in der ersten Jahreshälfte 2010 auf rund 10,5 Prozent ansteigen. In der Quote sind zudem nur solche Ausfälle erfasst, von denen Unternehmen sicher glauben, dass sie nicht einzutreiben sind.

Der gemessen am Umsatz größte US-Kreditkartenanbieter American Express hatte Mitte März erklärt, die Ausfallrate seiner ausgegebenen Kredite habe im Februar 8,7 Prozent betragen. Die US-Bank Citigroup, die zu den größten Anbietern der MasterCard gehört, musste einen Anstieg der Ausfallrate von 6,95 auf 9,33 Prozent hinnehmen. Die Anbieter haben auf die Entwicklung bereits mit einer Kürzung der Kreditlinien, steigenden Zinsen und höheren Gebühren reagiert.

Der US-Bankenverband ABA teilte am Donnerstag mit, dass die Zahl der Verbraucher, die ihre Kredite nicht pünktlich an Finanzinstitute zurückzahlen könnten, so hoch sei wie nie zuvor seit Beginn der Statistik 1974. Der Verband repräsentiert die meisten großen Banken und Kreditkartenanbieter. Die Zahl der Kredite, die mindestens 30 Tage verspätet sei, habe im Schlussquartal saisonbereinigt auf 3,22 Prozent von 2,9 Prozent im Vorquartal zugenommen. Der Verband geht davon aus, dass sich dieser Trend nicht vor 2010 verbessert. „Arbeitsplatzverluste haben der Volkswirtschaft wirklich Schaden hinzugefügt und das wird für einige Monate schmerzhaft sein“, sagte ABA-Chef James Chessen. Je mehr Jobs verloren gingen, desto schlimmer seien die Auswirkungen auf alle Kreditmärkte.

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