Konjunktur
Konjunktur: Die Zeichen stehen auf Erholung

Auch wenn die derzeitige Auftragsflaute die deutschen Unternehmen zu weiteren Produktionskürzungen zwingt und besonders die exportorientierte Industrie auf die Produktionsbremse tritt, sehen führende Ökonomen hoffnungsvoll in die Zukunft. Sie erwarten eine Erholung der Euro-Wirtschaft noch in diesem Jahr. Gestützt werden die Prognosen durch überraschend gut ausgefallene US-Konjunkturdaten .

WASHINGTON/BERLIN/DÜSSELDORF. So ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe von revidiert 674 000 Anträgen in der Vorwoche auf 654 000 zurückgegangen, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. Volkswirte hatten mit 660 000 Erstanträgen gerechnet. Für einen Hoffnungsschimmer sorgten auch die amerikanischen Exporteure. Sie haben im Februar trotz der weltweiten Wirtschaftskrise ein Umsatzplus geschafft. Die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen stiegen um 1,6 Prozent auf 126,8 Mrd. Dollar, wie das Handelsministerium mitteilte. Die Importe sanken dagegen um 5,1 Prozent auf 152,7 Mrd. Dollar.

Entgegengesetzt verläuft aktuell die Entwicklung in Deutschland. Die neuesten Zahlen aus der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe lassen eigentlich nichts Gutes erahnen. Doch Ökonomen sehen durchaus die Möglichkeit einer Bodenbildung noch in diesem Quartal - auch, wenn, wie das Wirtschaftsministerium heute mitteilte, die Gesamtproduktion im Februar preis- und saisonbereinigt um 2,9 Prozent zum Vormonat gesunken, ist. Volkswirte hatten zwar auch mit einem abermaligen Rückgang gerechnet, diesen aber auf 2,5 Prozent veranschlagt. Im Januar war die Industrieproduktion mit 6,1 Prozent etwas weniger stark eingebrochen als zunächst mit minus 7,5 Prozent ermittelt. Im Jahresvergleich brach die Produktion im Februar um 23,2 Prozent ein, nachdem sie im Vormonat um 21,4 Prozent geschrumpft war.

Für den Rückgang war die geschrumpfte Industrieproduktion verantwortlich, während sich die Produktion im Bauhauptgewerbe im Monatsvergleich etwas erholte. Die Industrieproduktion sank im Februar um 3,3 Prozent. Im Bauhauptgewerbe stieg die Produktion um 1,9 Prozent. "Angesichts der zuletzt noch sinkenden Auftragseingänge dürfte die Industrieproduktion auch in den kommenden Monaten weiter schwach bleiben", erwartet das Ministerium. In allen industriellen Hauptgruppen ging die Produktion zurück. Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern sank die Produktion um 1,9 Prozent, bei den Herstellern von Investitionsgütern um 4,5 Prozent und bei den Konsumgüterherstellern um 3,6 Prozent.

Im Zweimonatsvergleich (Januar/Februar gegenüber November/Dezember) nahm die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe preis- und saisonbereinigt deutlich um 9,2 Prozent ab. Zum Vorjahr sank die Produktion im Zweimonatszeitraum (Januar/Februar) arbeitstäglich bereinigt um 19,3 Prozent. Die Industrieproduktion fiel um 20,8 Prozent und die Erzeugung im Bauhauptgewerbe um 23,0 Prozent zurück.

Den schlechten Wirtschaftsdaten vorausgegangen ist eine Einschätzung der Europäischen Zentralbank für die Entwicklung in der Euro-Zone. Die Wirtschaft werde sich demnach erst 2010 allmählich erholen. Im laufenden Jahr dürfte die Nachfrage weltweit sehr schwach bleiben, die Wirtschaft befinde sich sowohl global als auch im Euro-Raum „in einem schwerwiegenden Abschwung“, schreibt die Notenbank in ihrem Monatsbericht April und bekräftigte damit frühere Einschätzungen.

Führende Ökonomen zeigten sich optimistischer. "Ich bin zuversichtlicher als die EZB und erwarte zur Jahresmitte erste Zeichen für eine Erholung", sagte der Konjunkturexperte der Allianz, Rolf Schneider, am Donnerstag im Gespräch mit Handelsblatt.com. Zwar befinde sich die deutsche Wirtschaft derzeit an einem Tiefpunkt. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung deute aber auf eine Bodenbildung im zweiten Quartal hin. Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt für Deutschland der US-Großbank Goldman Sachs, Dirk Schumacher. "Kein Zweifel, dass die Euro-Zone in der schwersten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg steckt", sagte er Handelsblatt.com. Einige Indikatoren deuteten auf eine Verlangsamung des Abschwungs im zweiten Quartal hin. "Wachstum wird es wahrscheinlich erst wieder Ende des Jahres geben."

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