Konjunktur
Konjunkturwende: EU-Kommission macht Mut

Europas dramatischer Abschwung ist gestoppt: Nach dem Einbruch durch die Krise erholt sich die europäische Wirtschaft. Die EU-Kommission plädiert in ihrer Konjunkturprognose aber dennoch dafür, Konjunkturprogramme und die Reparatur des Finanzsektors fortzusetzen.
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HB BRÜSSEL. Der Anfang vom Ende des Abschwungs: Die rasante Talfahrt der Konjunktur geht in Europa nach Einschätzung der Kommission zu Ende. Doch sei höchst unsicher, ob die leichte Erholung von Dauer sein werde, erklärte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquín Almunia am Montag in Brüssel. Für das Gesamtjahr 2009 geht die Kommission weiterhin von einem beispiellos starken Einbruch der Wirtschaftsleistung um 4,0 Prozent in der Euro-Zone und in der Europäischen Union aus.

Trotz der besseren Lage hob die Kommission ihre Prognose nicht an, weil die Wirtschaft im ersten Quartal mit minus 3,5 Prozent viel stärker geschrumpft war als zunächst angenommen. Auch sei ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit zu erwarten. Die Volkswirtschaften der Eurozone wie auch der EU insgesamt dürften im laufenden Quartal um durchschnittlich 0,2 Prozent wachsen, heißt es in der am Montag veröffentlichten vorläufigen Herbstprognose der Kommission. Wirtschaftskommissar Joaquín Almunia warnte indes: „Die schwache Wirtschaft wird den Arbeitsmarkt und die öffentlichen Haushalte weiter belasten.“ Die EU- Währungshüter rechnen für das Gesamtjahr unverändert damit, dass die Wirtschaft der Eurozone und der gesamten EU im laufenden Jahr jeweils um vier Prozent schrumpfen wird, da der Einbruch zu Jahresbeginn schlimmer war als angenommen. Die Inflation bleibe auf sehr niedrigem Niveau.

Dennoch: Für Deutschland sind die Aussichten nicht mehr ganz so düster wie im Mai. Die Kommission erwartet jetzt einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 5,1 Prozent, nachdem sie bei ihrer vorangegangenen Prognose von 5,4 Prozent ausgegangen war.

Seit dem zweiten Quartal habe sich die Lage vor allem dank der milliardenschweren staatlichen Konjunkturspritzen deutlich verbessert. "Aber die schwache Wirtschaft wird bei der Beschäftigung und den öffentlichen Finanzen weiter ihren Tribut fordern", erklärte Almunia. Die EU-Länder müssten ihre Konjunkturprogramme vorantreiben und die Sanierung der Banken beschleunigen, damit Haushalte und Unternehmen an Kredite kämen. Zugleich müsse ein Ausweg aus der rapide steigenden Staatsverschuldung gesucht werden.

Deutschland hat laut Brüsseler Prognose die Rezession überwunden. Im weiterem Jahresverlauf werde die größte Volkswirtschaft Europas weiter wachsen, wenn auch nur schwach. Nach einem Plus von 0,3 Prozent im 2. Quartal soll die Wirtschaft im 3. Quartal um 0,7 Prozent und im 4. Quartal um 0,1 Prozent zulegen. Im ersten Vierteljahr hatte es mit minus 3,5 Prozent gegenüber den drei Vormonaten den schlimmsten Einbruch der Nachkriegszeit gegeben.

Optimistischer ist die Kommission für Frankreich. Hier hob die Kommission ihre Prognose kräftig an. Sie geht nun von einem Minus von 2,1 Prozent im Gesamtjahr aus - im Mai waren es noch minus 3,0 Prozent. In Italien, Spanien, Großbritannien und den Niederlanden erwartet die Kommission dagegen einen stärkeren Konjunktureinbruch als zuvor. Polen schafft es in diesem Jahr als einziges der sieben größten EU-Länder, die zur Zwischenprognose herangezogen werden, in die Wachstumszone mit einem Plus von 1,0 Prozent.

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