Konjunktur
Konsum läuft nicht mehr lange gut

Zwar ist das Verbrauchervertrauen in der Prognose für September erneut gestiegen - und zwar auf den höchsten Stand seit Jahresbeginn. Aber diese durchaus erfreuliche Entwicklung dürfte nach Ansicht von Experten bald wieder abebben.

FRANKFURT. Die Konsumenten haben sich in der Krise zu einer Stütze der deutschen Wirtschaft gewandelt. Diese ungewohnte Rolle dürften die Verbraucher allerdings schon bald verlieren. "Ein richtiges deutsches Konsumwunder wird ausbleiben", sagt der Deutschland-Chefvolkswirt von Unicredit, Andreas Rees. Denn die meisten Faktoren, die noch in den vergangenen Monaten dafür gesorgt hatten, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise den Verbrauchern nicht ihre Konsumlaune verhagelt hat, dürften in den kommenden Monaten drehen.

Die relativ gute Situation am Arbeitsmarkt, das freundliche Inflationsumfeld und die Rentenerhöhung hatten die Konsumenten bei Laune gehalten. So wurde ausgerechnet der private Konsum, der jahrelang als Achillesferse der deutschen Wirtschaft galt, zur Stütze der Konjunktur. Zu Jahresbeginn, als die Gesamtwirtschaft rapide eingebrochen war, legte der private Konsum zu. Und im Frühling sorgten die Haushalte maßgeblich dafür, dass die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone nach einem Jahr Sturzflug wieder einen leichten Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes verbuchen konnte.

Ablesen lässt sich die stabile Entwicklung des Konsums an der monatlichen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) unter rund 2000 Verbrauchern. Verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt, liegt das Barometer zwar auf einem geringen Niveau - der Aufwärtstrend aber hält seit nunmehr fünf Monaten an. Zuletzt hievte sich das Barometer für September von 3,4 auf 3,7 Punkte, meldete das Nürnberger Marktforschungsunternehmen gestern.

Dass sich der Konsum bisher besser als erwartet entwickelt, erklären Ökonomen vor allem mit der robusten Entwicklung des Arbeitsmarkts. Während in anderen Ländern die Zahl der Jobsuchenden hochschnellte, legte sie in Deutschland langsamer zu. Zuletzt stieg die Zahl der registrierten Arbeitslosen im Juli dank Kurzarbeit "nur" auf 3,46 Millionen. Diese Form der Jobsicherung - sie kostet die Bundesagentur für Arbeit und die Unternehmen in diesem Jahr gut elf Mrd. Euro - lässt sich nicht endlos fortschreiben. Die Arbeitslosenzahl könnte im Jahresdurchschnitt 2010 auf bis zu 4,5 Millionen steigen, schätzt etwa Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft.

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