Konjunktur
Kreditkrise trifft Hauskäufer

In Großbritannien hat die große Kreditkrise an den Finanzmärkten endgültig die Verbraucher erreicht. Der angespannte Geldmarkt macht in Großbritannien die Immobilienkredite knapp und teurer. Die Schwäche von Finanzbranche und Immobiliensektor trifft die Konjunktur hart – Großbritannien droht eine wirtschaftliche Flaute.

LONDON. Gleich mehrere Hypothekenbanken zogen in den vergangenen Tagen einige ihrer beliebtesten und günstigsten Angebote zurück und verschärften die Konditionen für Immobilienkredite deutlich. Damit droht dem für die Konjunktur so wichtigen Häusermarkt ein weiterer Rückschlag.

Nationwide, die zweitgrößte britische Hypothekenbank erhöhte vor dem Wochenende die Zinslast für eines ihrer wichtigsten Produkte um mehr als einen halben Prozentpunkt. Auch HBOS, die größte Hypothekenbank des Landes und Lloyds TSB zogen bei einigen Produkten die Zinsschraube kräftig an. „Seit Wochen sehen wir, dass einige große Institute ihre Konditionen fast im Wochenrhythmus verschärfen“, berichtet David Hollingsworth vom Hypothekenbroker London & Country.

Die Institute verschärfen aber nicht nur ihre Konditionen, sie schränken die Kreditvergabe auch deutlich ein. Im Februar bewilligten die britischen Banken ein Drittel weniger Immobiliendarlehen als noch im Vorjahr. „Wir wenden nur das Gesetz von Angebot und Nachfrage an, angesichts der aktuellen Marktlage sind weniger Hypothekenfinanzierungen verfügbar und die nur zu deutlich höheren Kosten“, heißt es beim Marktführer HBOS.

Mit der Verschärfung ihrer Konditionen reagieren die Banken auf die Kreditkrise an den weltweiten Finanzmärkten. Trotz der konzertierten Hilfsaktion der großen Notenbanken von Anfang März hat sich die Lage an den Geldmärkten bislang noch nicht entspannt. Im Gegenteil: Vor dem Wochenende stieg die London Interbank Offered Rate (Libor), der Satz zu dem sich die Institute gegenseitig Geld für drei Monate leihen, für das britische Pfund auf sechs Prozent. Das ist der höchste Stand in diesem Jahr.

Experten befüchten, dass die Refinanzierungsprobleme der Hypothekenbanken den ohnehin angeschlagenen britischen Immobilienmarkt weiter schwächen werden. Gestern meldete Nationwide, dass die Hauspreise auf der Insel im fünften Monat in Folge gesunken sind. Im März lag der Preisverfall bei 0,6 Prozent nach 0,5 Prozent im Februar. Im Vergleich zum März 2007 kletterten die Hauspreise auf der Insel zwar noch um 1,1 Prozent, doch die Steigerungsrate ist die niedrigste seit zwölf Jahren. „Die jüngste Eskalation der Kreditkrise könnte dazu führen, dass der britische Immobilienmarkt vor einer langen und scharfen Korrektur steht“, mahnt Howard Archer, Chefvolkswirt von Global Insight.

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