Konjunktur
Krise drückt den Arbeitsmarkt

Noch kann der deutsche Arbeitsmarkt der der weltweiten Wirtschaftskrise trotzen, die Arbeitslosigkeit ist bislang nur leicht gestiegen. Doch Experten befürchten, dass das bald vorbei´sein könnte. Denn die Zahl der freien Stellen schrumpft.

HB NÜRNBERG. Bei einer weiteren Verschärfung der Lage könnte die Zahl der Erwerbslosen auf bis zu 4,1 Mio. im Dezember steigen, prognostizierten Volkswirte Deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Aktuell gebe es kaum Anzeichen für einen Frühjahrsaufschwung. Die sonst in dieser Jahreszeit übliche Belebung auf dem Stellenmarkt werde derzeit von den Auswirkungen der Krise weitgehend aufgezehrt.

Insgesamt waren nach Berechnungen der Fachleute im April rund 3,56 Mio. Männer und Frauen ohne Arbeit; das seien lediglich 25 000 weniger als im März. Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre war die Arbeitslosigkeit im April um knapp 140 000 gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt sogar deutlich verschlechtert: Im April 2008 hatte es in Deutschland rund 150 000 Arbeitslose weniger gegeben. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag bekanntgeben.

Mit der wirtschaftlichen Krise schrumpft inzwischen auch das Angebot an freien Stellen. So sei auch im April die Nachfrage der Firmen nach Arbeitskräften zurückgegangen, geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Beschäftigungsindex der Bundesagentur hervor. Allerdings habe sich der Rückgang im April etwas verlangsamt. So habe der Indikator für die Beschäftigungsnachfrage im April mit einem Wert von 135 nur noch um zwei Punkte unter dem Vormonatswert gelegen.

Für den April verzeichnen die Bankenvolkswirte zwar eine leichte Frühjahrsbelebung. "Aber das ist natürlich viel weniger, als sonst in dieser Jahreszeit angesagt ist", beschreibt der HypoVereinsbank-Volkswirt Alexander Koch die Lage. Optimistischer ist dagegen sein Kollege Philipp Jäger von der genossenschaftlichen DZ-Bank; er rechnet für April immerhin mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen von rund 40 000.

Betrachte man allerdings allein die konjunkturellen Einflüsse auf den Arbeitsmarkt, sieht es nach übereinstimmender Experten-Auffassung weiterhin düster aus. Nach Herausrechnung saisonaler Faktoren rechnen sie im April mit einem Anstieg der Erwerbslosenzahlen um 50 000 bis 60 000 - auch wenn der Einsatz der Kurzarbeit die Erwerbslosigkeit derzeit noch dämpfe. "Wir haben weiter eine sehr schwierige Situation. Eine Verbesserung ist bis auf weiteres nicht zu erwarten", stellt Stephan Bielmeier von der Deutschen Bank fest.

Da der Arbeitsmarkt in der Regel mit einer Verspätung von einem halben Jahr auf die wirtschaftliche Lage reagiere, sei frühestens zur Jahresmitte 2010 mit einem Arbeitsmarktaufschwung zu rechnen. Ihren Höhepunkt werde die derzeitige Arbeitskrise Ende des Jahres erreichen. "Da rechne ich mit bis zu 4,1 Mio. Erwerbslosen", betonte Tuchtfeld. Auch Zeitarbeitsunternehmen, von der man lange Zeit eine Pufferfunktion in der Krise erwartet habe, bauten inzwischen massiv Arbeitskräfte ab.

Im März war die Zahl der Arbeitslosen um 34 000 auf 3 586 000 gestiegen. Das waren 78 000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,1 Punkte auf 8,6 Prozent zu. Saisonbereinigt war die Arbeitslosenzahl um 69 000 auf 3,401 Mio. gestiegen. Abgefedert wurde die Arbeitsmarktkrise durch den massiven Einsatz von Kurzarbeit. Insgesamt hatten Firmen nach Bundesagentur-Angaben allein im März Kurzarbeit für 670 400 Männer und Frauen angemeldet.

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